Geschichte des SD in der Tschechischen und der Slowakischen Republik
Jiri Rogalewicz, President der CSCTA, Prag

Die Tschechische Republik und die Slowakische Republik gehören zu den jüngsten Regionen, wo Square Dance getanzt wird. "Jüngsten" nicht nur zeitlich gesehen, sondern auch was das Alter der Tänzer betrifft.

Irgendwann Ende der siebziger Jahre brachten Prof. Frantisek Bonus und sein Sohn Jasan in die damalige Tschechoslowakei eine neu Art von Unterhaltung - amerikanische Country Dances. Viele junge Leute begannen verschiedene Mixers, Line Dances oder Tänze in großen Kreisen zu tanzen. Darunter waren auch einige Tänze zu vier Paaren im Quadrat, jedoch mit einer festgelegten Choreographie. Es entstanden C&W Gruppen, die trotz Schwierigkeiten mit dem damaligen kommunistischen Regime Country-Bälle, Vorführungen und Cowboyspiele veranstalteten. Im Sommer 1987 bekam der C&W-Club Caramella neben anderen Materialien auch ein kleines Heft "Sets in Order" von Bob Osgood mit den Definitionen von Basic und Mainstream-Figuren. Niemand wußte, was man damit anfangen soll, keiner hatte Ahnung, wie man die Figuren zu tanzen hat oder was der Mann mit dem Mikrofon auf der Bühne sucht. Etwa sieben von den C&W-Clubs wollten der Sache auf den Grund gehen und somit stellten sich im Sommer 1988 probeweise die ersten Squares auf.

Es waren aber immerhin nur Versuche - der Richtigen Square Dance Boom begann erst nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs". Wir konnten jetzt mit den europäischen SD-Clubs und den Callern zusammenarbeiten. Im Jahre 1990 wurde die Czechoslovak Association of Square Dance Clubs (CSAS) gegründet. Die begann unsere Aktivitäten zu koordinieren und half den Club-Neulingen bei den ersten Schritten. Im Mai 1991 bereitete sie zusammen mit dem Club Caramella die erste große Veranstaltung vor: "Prague's calling" mit etwa 400 Tänzern. Ein Jahr später, Ende Juni 1992, vertraute die EAASDC die Veranstaltung des Summer Jamborees dem Prager Club "M-Seperate" an. Damals kamen über 1700 Teilnehmer aus ganz Europa nach Prag, um in drei Hallen und auf dem Altstädter Ring Square Dance zu tanzen. Die ausländischen Teilnehmer entdeckten ein neue SD-Region und unsere Caller und Tänzer begannen, den Sinn und die Ideen von Square Dancing zu begreifen. Jedoch nicht alle gleichzeitig - verschieden Meinungen führten zu einer Krise in der CSAS, zugleich mit den Spannungen zwischen den Tschechen und den Slowaken in dem bis dahin gemeinsamen Staat. Das war der Anfang vom Ende der noch zu jungen SD-Organisation als auch des Staates der Brüdernationen.

Nach der zwar schmerzvollen, aber friedlichen Staatstrennung haben sich die tschechischen und die slowakischen Caller zusammengesetzt und der allgemeinen Entwicklung zum Trotz eine gemeinsame Organisation der Caller beider Staaten gegründet: Czechoslovak Callers and Teachers Association - CSCTA. Die sollte als Hauptziel die fachlichen Kenntnisse der Caller und Cuer fördern, mußte sich aber zwangsweise auch mit Angelegenheiten von neuen SD-Clubs befassen, denn die sprossen wie Pilze aus dem Boden. Es mangelte an allem: vor allem die technische Ausrüstung war - und bleibt immer noch - für die Caller das Problem Nr. 1. Die Hilton-Anlagen mit ihren Preisen sind im Vergleich zu den Löhnen in Tschechien fast unerschwinglich, es sei denn, einer hat einen reichen Onkel oder verübt einen Banküberfall. Es gab aber auch kein richtiges tschechisches Lehrbuch - einige Caller versuchten zwar, eine Art von Anleitung zum Tanzen der Figuren zu gestalten, jedoch ohne eine genaue Übersetzung der Callerlab Definitionen. Erst im September 1996 brachte Frantisek Vlcek vom SD-Club Bernemer Squeezers in Frankfurt/M ein komplettes SD-Lehrbuch (auf der Grundlage des Buches von Rudi Mennes) mit Original Definitionen, Grafiken und genauen Übersetzungen heraus. Die tschechischen Tänzer können hier auch schriftlich über die Geschichte, Ideen und Bräuche des Square Dance erfahren.

Die CSCTA gibt außer fachlichen Publikationen "Caller's Notice" und "Cuer's Notes", die unregelmäßige erscheinen, auch eine 8mal im Jahr erscheinende Zeitschrift "ZOOM" mit einer ähnlichen Gestaltung wie das Bulletin heraus. Das Jahresabonnement beträgt umgerechnet ca. 25,- DM. Auch wenn man nicht tschechisch lesen kann, findet man dort doch Adressen des CSCTA-Boards, den Veranstaltungkalender und das Clubverzeichnis von fast 60 SD-Clubs. (Einen Auszug findet ihr weiter unten.)

In der letzten Zeit wachsen die Bemühungen, eine neue Cluborganisation zu gründen. Wir möchten hoffen, daß es dazu bald kommt und die CSCTA sich statt den sozusagen "Fremdleistungen" ihren eigentlichen Aufgaben widmen kann. Das würde nicht nur einen neuen Aufwind für den tschechischen Square Dance bedeuten, sondern auch die Qualität der Organisationsarbeit verbessern und der unglaublich schnellen Entwicklung auch die notwendige Tiefe zu verleihen. Dazu brauchen wir aber auch den Kontakt mit dem Ausland - nicht nur eine Einbandstraße, wo unsere Caller und Tänzer gen Westen fahren, um Erfahrungen zu sammeln. Tscheschien und die Slowakei liegen immer noch im Herzen Europas - scheut nicht vom Besuch unserer schönen Länder, kommt tanzen bei uns, Ihr seid alle herzlich willkommen.


Tanzen in der Tschechischen und der Slowakischen Republik
Frantisek Vlcek, Bernemer Squeezers Frankfurt am Main & Magic Spirits Karlsruhe

Als ich vor 3 Jahren dabei war, die ersten Figuren in der Class der Bernemer Squeezers in Frankfurt zu lernen, sprach mich zu meiner Überraschung ein Tänzer tschechisch an. Seitdem wußte ich , das es Square Dance auch in meiner ehemaligen Heimat gibt. Nach der Graduation, ein paar Monate später, tanzte ich auch schon bei einem Special des Prager Clubs "Country Farrow" mit; und im nächsten Jahr beteiligte ich mich bei der Organisation einer Pfingstfahrt unseres Clubs nach Prag. Seidem sind wir - d.h. meine Parterin Eva von den Magic Spirits Karlsruhe und ich - öfters Gäste bei den tscheschischen, und wenn es am 1. - 3. Mai in Braislava klappt, auch bei den slowakischen Tänzern. Hier sind einige unserer Erfahrungen aus diesem SD-Neuland.

Die Clubs sind meistens kleiner, die Tänzer aber um so mehr mit Euphorie geladen. Es hängt u.a. mit dem Durchschnittsalter zusammen. Die meisten Mitglieder sind Jugendliche, überwiegend Studenten. Das bringt einige Nachteile mit sich: Konzentration und Höflichkeit lassen oft zu wünschen übrig, die Fluktuation ist höher wegen Berufs- und Wohnortwechsel nach dem Ende des Studiums, die Finanzmöglichkeiten der Tänzer und der Clubs sind für uns unvorstellbar geringer.

Es wird flotter getanzt, was anstrengender ist und machmal den Genuß am Tanzen beeinträchtigen kann. Trotzdem finde ich die Bewegungen der tschechischen Tänzer eleganter, graziöser - z.B. Promenade ist wirklich eine Promenade und nicht nur ein Marsch mnach Hause. Das Zusehen ist manchmal ein größerer Genuß als das Tanzen selbst.

Man macht öfters verschiedene Zierbewegungen, z.B. immer einen "Abschiedsgruß" beim Grand Square, wenn die gegenüberstehenden Tänzer rückwärts gehen sollen, ebenso die Paare, die sich in der Mitte bei Dosido aus Eight Chain Thru Formation treffen u. ä. Eine Gewohnheit finde ich aber hervorragend: bei Circle Left wird zuerst die Figur Face Your Partner durchgeführt, mit gegenseitigem Klatschen der freien Hände. Erst dann werden die Hände dem Corner gereicht, wodurch eine einheitliche links-rechts Bewegung des Circles beginnt. Das bekannte chaotische Durcheinander ist auf diese Weise einfach nicht möglich.

Von Tanzprogrammen werden meistens MS und Plus getanzt, es gibt aber auch einige Clubs mit A-Levels und in einem Club wird sogar C1 getanzt. In den Sommerferien, die einheitlich vom 1. Juli bis zum 31. August dauern, tanzt fast kein Club. Dafür gibt es aber viele Sommeraktivitäten mit Intensivkursen von einer bis zu drei Wochen Dauer, meistens in den Bergen, am Wasser, oder sogar in einem echten Schloß.

Es gibt aber auch viele verschiedene Specials, die sehr oft von Freitag abens bis Sonntag nachmittags dauern - z.B. im März Castle Dance im Rittersaal des berühmten Schlosses in Cesky Krumlov (Südböhmen) veranstaltet von Carmentis, Karolina-Special in Bratislava (Slowakwei) Anfang Mai oder Marathon-Dance in Pilsen Anfang Februar veranstaltet von V-Club, das einzige Wettanzen, das ich kenne und das sehr lustig ist. Von den vielen SD-Veranstaltungen in Prag sind wohl am bekanntesten Karneval s vranou im November, veranstaltet von Simple Diamonds, Square thru Prague Ende Februar, veranstaltet von M-Seperate oder Country Rainbow Anfang Juni, veranstaltet von Country Farrow, oft mit den besten ausländischen Callern besetzt. Es gibt auch viele Specials für SD-Students - alle zu erwähnen würde den Rahmen diese Artikels sprengen. Mehr Artikel findet man in der SD-Zeitschrift ZOOM (s. Vorherigen Artikel), oder über eine CA aus dem Clubverzeichnis. Freilich kann sich jeder auch an mich wenden - Anschrift siehe unten.

Zum Schluß nur noch eine kleine Bemerkung: Von Deutschland nach Tschechien ist es angeblich doppelt so weit wie von Tschechien nach Deutschland, eine Weltreise ist es jedoch auch nicht. Kommt doch mal unsere Nachbarn besuchen -to see you in an Square in the Czech or in the Slovak Republic!

Frantisek Vlcek
Schillstr. 8
63067 Offenbachb
Tel. Und FAX: 069 - 818485


War das ein Erlebnis!
Jens Hubmann
Präsident der "Kohlenpott-Hoppers" Dortmund e.V.

Die "Kohlenpott-Hoppers" Dortmund e.V. veranstalteten am 11.1.1997 zum 16. Mal Ihren "Student-Dance". Das vor Jahren von ECTA und EAASDC eigens für diesen Zweck frei gehaltene zweite Wochenende im Januar war wieder einmal für die Students ein einmaliges Erlebnis.

Man hatte den Eindruck, auf einer kleinen Jamboree zu sein, denn 739 Gäste von 58 Clubs bzw. Tanzgruppen hatten den Weg zu dieser Veranstaltung gefunden. Damit haben wir in den vergangenen 16 Jahren über 5000 Students die Freude am Square Dance nähergebracht. Der Erfolg und die Beliebtheit dieses Tanzes liegt nicht zuletzt an der Konsequenz der Organisation dieser Veranstaltung:

Erstens haben wir von Anfang an den Namen "Student-Party" vermieden, weil diese Veranstaltung seinerzeit als Nachfolge der damals im Januar stattgefundenen Student- Jamboree eingeführt wurde. Wir meinten, "Party" sei nicht die richtige Bezeichnung, sondern "Dance" träfe viel richtiger den Anlaß dieses "Student-Treffens", denn hier feierte man keine Party. sondern das gemeinsame Tanzen stand im Vordergrund.

Zweitens waren wir der Meinung, daß dieses die erste große Veranstaltung für die Students während ihrer Ausbildung sei und sie hier zum ersten Mal mit fremden Tänzern und zu fremden Callern tanzen.

Welch eine Verwirrung und welch ein Nervenkitzel. Hier werden die Weichen zu einer späteren Fortsetzung des Hobbys gestellt. Also mußte man behutsam und intelligent an die neuen Tänzer herangehen. Deshalb standen von jeher erfahrene Gastcaller auf der Bühne, die es verstanden, bei dem eingeschränkten Angebot an Movements bei den Tänzern keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Als Hauptcaller standen Thorsten Geppert (zum 16. Mal) und Thorsten Hubmann (zum 8. Mal) auf dem Programm. Daß diese Form der Durchführung des Tanzprogramms ideal ist, beweisen auch die vielen graduierten Tänzer, die uns immer wieder besuchen. Natürlich bekamen auch die mitgereisten Caller der Classes die Möglichkeit, bei "Callers from the floor" unter Leitung von Thorsten Dudziak ihr Können zu beweisen. Nach ca. 45 Minuten waren dann die Hauptcaller in Aktion.

Wir denken, wenn nach 7 Stunden Programm (15.00 bis 22.00 Uhr) ohne Pause, denn während des Kuchenbüffets wurde weitergetanzt (Caller: Thorsten Dudziak), die Students am Ende immer noch nach einer Zugabe klatschten, daß hier die Begeisterung am Square Dance gesteigert werden konnte. Die Caller haben es verstanden, die Tänzer fühlen zu lassen: Square Dance is fun.

Und der schönste Dank für die Veranstalter war die Aussage eines Students, der sagte: "Bei uns in der Class haben die Angels gesagt, nach Dortmund zum Student-Dance der Kohlenpott-Hoppers da mußt Du unbedingt hin, sonst hast Du als Student etwas versäumt".