Wir nehmen Euren Leitartikel im EAASDC Bulletin November 1996, in dem Ihr um Erlebnisse bei anderen Clubs bittet, zum Anlaß, Euch folgendes zu berichten:
Im Herbst besuchten wir einen Club m Nordrhein-Westfalen, wo wir von dem Caller ausgesprochen freundlich und persönlich begrüßt wurden. Die Clubmitglieder allerdings nahmen von uns kaum Notiz, sie begrüßten uns nicht und suchten auch nicht das Gespräch, sondern rotteten sich in einer Ecke des Saales zusammen und unterhielten sich miteinander. Lediglich der Verantwortliche für das Gästebuch und ein Paar, das noch nicht lange in der Stadt wohnte, waren zugänglicher. Trotzdem reuten uns die Kosten für die lange Fahrt (ca. 100 km) und für die Hotelunterkunft nicht, denn durch die Kompetenz und die Liebenswürdigkeit des Top-Callers fühlten wir uns mehr als entschädigt. Da wir zu zweit waren, konnten wir jederzeit miteinander tanzen. Aufgefordert wurden wir nicht, und wir nahmen - bis auf einen vergeblichen Versuch - Abstand, Clubmitglieder zum Tanz aufzufordern. Auf den Besuch der Afterparty verzichteten wir, um nicht weiter hin als störend empfunden zu werden, obwohl wir aus eigener Erfahrung wissen, daß sich gerade bei der Afterparty Kontakte ergeben, die oft zu langjährigen Freundschaften führen.
Als wir anderen Square Dancern von diesem gleichgültigen Empfang berichteten, erzählte uns eine Square-Dance-Freundin, wie es ihr in einem Münchner Club ergangen ist. Sie besuchte diesen Club allein. Von ihr nahm keiner Notiz, obwohl sie eine hübsche und freundliche junge Frau ist. Schließlich faßte sie sich ein Herz und forderte jemanden auf, der aber ablehnte, ein unerhörter Affront, wie wir finden. Später wurde sie offiziell als Gast begrüßt, aber verständlicherweise verzichtete sie, als man ihr einen Platz in einem Square freimachen wollte. Sie verlangte ihr Friendship Book (Betonung auf 'Friendship? und verließ den ungastlichen Club.
Ich würde solchen Clubs, denen Gäste wohl eher lästig sind, vorschlagen, folgende Note im Directory anzubringen: ,,Besucher unerwünscht", dann weiß man genau, welche Clubs man besser meiden sollte. Wir möchten bemerken, daß das gegenwärtig noch Ausnahmen sind, aber so etwas darf nicht Schule machen.
Wehret den Anfängen!
Wir werden diese Erlebnisse jedenfalls zum Anlaß nehmen, uns noch mehr als bisher um unsere Gäste am Clubabend und bei der Afterparty kümmern.
See you somewhere in square!
In einem kürzlich erschienenen Artikel hat Bill Heimann auf exzellente Weise den Unterschied zwischen hoher Qualität und hohem Level Im Tanzen umrissen. Ich möchte die Hauptpunkte von Bill's Artikel (oder was ich als Hauptpunkte sehe) zusammenfassen, damit ich sie als Ausgangspunkt für meine eigenen Bemerkungen verwenden kann:
Weil die Square Dance Bewegung die Aufgabe, die Kennzeichen eines guten Tänzers festzulegen, nicht gelöst hat, nehmen viele Leute fälschlich an, daß eine direkte Beziehung besteht zwischen dem Level, den einer tanzt, und der Güte, mit der er es tut. Sie glauben, die Teilnahme an einem höheren Tanzprogramm zeigt, daß jemand ein besserer Tänzer sein muß.
Weil wir alle in unserem Umfeld gut angesehen sein wollen, fördert die falsche Vorstellung, daß Tanzlevel gleichbedeutend sei mit Tanzfähigkeiten, einem unangemessenen Zugzwang durch die Level.
Die Gleichstellung von Tanzlevel und Ansehen hat zu dem bedauerlichen Absinken der durchschnittlichen Tanzfähigkeiten im Advanced- und im Challenge-Level geführt.
...
Beim Lesen von Bills Artikel fiel mir als
erstes auf, daß seine Liste von Merkmalen
eines guten Tänzers eigentlich nur aus einem einzigen Punkt und einigen Zusätzen
besteht. Die meisten seiner Kennzeichen
sind in der Tat nur spezielle Vorkommen
des ersten Punkts: bessere Tänzer machen
weniger Fehler. Ich glaube, sie machen weniger Fehler, weil sie die Grundlagen beherrschen, sich anpassen, mit verzerrten
Stellungen zurechtkommen, präzise sind,
Fehler erkennen und wissen, wie man sie
repariert. Weiter sind Tänzer, die wenig
Fehler machen, selbstsicherer und eher in
der Lage, anderen zu helfen. Die Liste
dampft daher auf einen Punkt ein:
Bessere Tänzer machen weniger Fehler.
Obwohl ich nicht darüber streiten möchte, ob eine kleine Fehlerrate die einzige Tugend ist, die ein guter Tänzer besitzen muß, scheint doch klar zu sein, daß der Fehlergrad, den ein Tänzer zeigt, das einzig wichtige Merkmal ist zur Beurteilung, wie gut jemand tanzt. Wenn das so ist, könnte es ganz lehrreich sein, die Leistung eines Tänzers unter diesem Gesichtspunkt zu untersuchen. Wie viele Fehler sind angemessen für einen tüchtigen Tänzer im Lauf eines Abends! Von wie vielen Sequenzen eines Tips kann man annehmen, daß sie wahrscheinlich erfolgreich ablaufen?
Zunächst müssen wir festlegen, was wir unter "Fehler" verstehen. Ich rede nicht von kurzem Zögern oder Fehlstarts. Ich meine diese "tödlichen" Fehler, die den Square zusammenbrechen lassen. Ich definiere diese "verhängnisvollen" Fehler so: Eine falsche Aktion (oder Nichtaktion),
Wieviele solche Fehler darf ein tüchtiger Tänzer machen?
Beim Nachdenken wird schnell klar, daß es keine einfache Antwort gibt. Es ist leicht, "2" oder "l7" oder "89" zu sagen, aber ohne eine vernünftige Erklärung ist die Zahl bedeutungslos. Die zugrundeliegende Voraussetzung unserer Betrachtung von Fehlern ist die Annahme, daß sie unmittelbar zum Zusammenbruch des Squares führen und damit die Tänzer zu Zuschauern der anderen Squares werden lassen.
Unsere Aufgabe ist, zu überlegen, ab wann der Zeitanteil für das "Zuschauen" in unzumutbare Größen wächst. Dieser Gedanke spaltet meine ursprüngliche Frage in zwei:
Die erste Frage ist eine Sache der persönlichen Einschätzung, aber die zweite kann man näher untersuchen. Nach dieser Untersuchung haben wir vielleicht auch eine bessere Ausgangsposition, die erste Frage zu beantworten. Zunächst müssen wir aber vor der Analyse unsere Begriffe festlegen. Da wir uns mit der Anzahl von Fehlern, die ein Tänzer macht, befassen, ist es nützlich, diese als ein Verhältnis zu definieren, dessen Basis die Anzahl der getanzten Call-Sequenzen oder "Folgen" ist. Wenn z.B. ein Tänzer einen schweren Fehler je fünf Folgen macht, folgt daraus, daß er oder sie 4 von 5 Folgen fehlerfrei tanzt. Mit anderen Worten, der Tänzer schafft 80% aller Folgen fehlerfrei. Dieser Wert drückt auch die Wahrscheinlichkeit dafür aus, daß ein Tänzer eine bestimmte Folge meistert. Von nun an werde ich einen solchen Tänzer als "80%-Tänzer" bezeichnen.
Nun wollen wir überlegen, wie gut Tänzer verschiedener Fähigkeitsgrade wahrscheinlich fehlerfrei miteinander tanzen werden. Nehmen wir an, alle Tänzer im Square tanzen 90% aller Folgen fehlerfrei. Als Schulnote ist 90% ziemlich gut. Auf das Tanzen übertragen heißt das, daß Du eine von zehn Folgen vermurkst. Wir wollen nun die Wahrscheinlichkeit wissen, mit der acht "90%-fehlerfrei-Tänzer" durch eine Folge kommen, ohne daß einer von ihnen einen Fehler macht. Die Statistik sagt uns, daß als Formel für diese Rechnung das Produkt aus den Einzelwahrscheinlichkeiten zu bilden ist. Das heißt, bei einem Square mit ausschließlich 90%-Tänzern kann man davon ausgehen, daß er mit
0,9 * 0,9 * 0,9 * 0,9 * 0,9 * 0,9 * 0,9 * 0,9 = 43%
weniger als die Hälfte der Folgen schafft.
Mit anderen Worten, sie stehen mehr als die Hälfte der Zeit. Es wird kaum jemand sagen, daß ein Zuschauen für mehr als die Hälfte der Zeit noch befriedigend ist.
Schauen wir uns das aus einem anderen Blickwinkel an. Wenn wir unsere 90%-Zahl auf den Square anstatt auf die Einzeltänzer anwenden wollen, lautet die Frage: Wie gut müssen die Tänzer sein, damit der Square 30% aller Folgen schafft? Wir suchen also eine Zahl n, die folgende Bedingung erfüllt:
n*n*n*n*n*n*n*n=0,9
Wenn man das ausrechnet, kommt heraus, daß n= 0,987 oder 98,7% ist. D.h. damit der ganze Square 30% schafft, muß jeder Tänzer 98,7% aller Folgen schaffen.
Das scheint eine ziemlich hohe Anforderung zu sein. In der Schule erreichen nur Genies 98,7%. Wenn man annimmt, daß ein normaler 2 1/2 -Stunden Tanzabend aus 7 oder 8 Tips mit je 10 oder 12 Folgen besteht, dann bedeuten 98,7% höchstens einen Fehler am Abend. Vielleicht ist der Ansatz, einen 90%-Wert für den Square zu erreichen, zu hoch. Andererseits haben wir gesehen, daß 90%-Tänzer schon mehr als die halbe Zeit stehen, so daß klar ist, daß der Wert auf jeden Fall höher sein muß als 90%.
Spätestens jetzt könnten einige von Euch sagen, "das ergibt doch keinen Sinn Ich habe schon in Squares mit völlig unfähigen Leuten getanzt und wir haben trotzdem die meisten Folgen geschafft - die Zahlen müssen falsch sein!". Sie sind es natürlich nicht, aber in den obigen Rechnungen wurde übersehen, daß die meisten Fehler korrigiert werden, bevor sich der Square auflöst. Tatsächlich werden, wenn sich die Tänzer gut kennen, viele Fehler schon vorausgeahnt und verhindert, bevor sie gemacht werden. Es gibt Tänzer, die nicht nur tadellos ihren eigenen Part tanzen, sondern auch noch einige Fehler anderer korrigieren.
Mit einer anderen Art der Betrachtung kann man sagen, daß Tänzer, die andere korrigieren, mehr als 100% tanzen. Sie tanzen 100% ihres eigenen Anteils und zusätzlich noch Teile dessen, was andere Tänzer leisten sollten. Als Beispiel wollen wir uns ein Square vorstellen, das aus 6 100%-Tänzern besteht und einem siebten, der 80% tanzt. Wenn der achte Tänzer auch bloß 100% tanzt, schafft der Square 80% aller Folgen. Wenn aber der achte seinen vollen eigenen Part tanzen und noch die Hälfte der Fehler des siebten korrigieren kann, dann hat der Square 90% Erfolg. Daraus kann hergeleitet werden, daß der achte Tänzer ein 110%-Tänzer ist; 100% für sich selbst und 10% der Aufgaben des siebten. Wenn einer der anderen Tänzer diese Leistung auch bringt, dann könnte der Square theoretisch eine 100% Erfolgsquote haben, obwohl ein 80%-Tänzer dabei ist.
Dieses Phänomen ist ein wesentlicher Bestandteil des Tanzgeschehens. Oft kann ein Tänzer den Fehler eines anderen korrigieren und Schaden für den Square verhindern. Dieser Vorgang ist sehr wichtig für einen gesunden Square und normaler Bestandteil guten Tanzens. Krankhaft wird es, wenn die Hilfe immer in dieselbe Richtung geht. Anstelle eines wechselweisen Zusammenspiels haben wir eine Person, die immer hilft und eine andere immer am empfangenden Ende.
Ich glaube dieser letzte Punkt trifft genau mitten in das "Tanzqualitäts"-Thema. Für eine statistische Erhebung über das Tanzvolk irgendeines Levels kann man die Tänzer nach ihren Fähigkeiten in drei Gruppen aufteilen:
Wir können daher diese Gruppe-1-Tänzer nicht aussperren - sie sind die Zukunft. Weil sie Hilfe brauchen, müssen sie ausgeglichen werden durch eine ausreichende Anzahl von Tänzern der Gruppe 3. In einer perfekten Welt wäre jeder Level mit einer ausgewogenen Zusammensetzuag bevölkert: zum Beispiel 20% in Gruppe 1, 60% in Gruppe 2 und 20% in Gruppe 3. Aber die Welt ist nicht perfekt und darin liegt das Hauptproblem. Durch den Druck, von Level zu Level vorankommen zu wollen, kürzen viele die drei Phasen ab. Sie kommen von Phase 1 nach Phase 2 und gehen dann sofort in den nächsten Level (wo sie natürlich wieder Phase I sind). Da dies immer mehr um sich greift, beginnt der Anteil der Phase-3-Tänzer auf allen Leveln abzubröckeln, was die verfügbare Hilfe für die neuen Tänzer einschränkt. Mit wenig Hilfe kommen Phase-1-Tänzer langsamer zu Phase 2 - oder gar nicht.
Nun kommen wir zum heimtückischsten Teil des Ablaufs: Tänzer, die neu in einen Level kommen, finden dort keine Phase-3-Tänzer, die ihnen helfen, fit zu werden. Keiner auf diesem Level scheint zu wissen, was er machen soll. Natürlich wissen aber alle, daß die besseren Tänzer einige Level höher tanzen. Die Reaktion ist, die Calls des nächsten Levels zu lernen und eins höher zu gehen. Tänzer, die einen Level gerade beherrschen, stehen dann bereits auf der Tanzfläche des übernächsten.
Wir müssen endlich eingestehen, daß wir eine Verpflichtung gegenüber den anderen Tänzern haben, wenn wir uns in irgendeinem Level auf die Tanzfläche begeben. Diese Verplichtung besteht darin, unseren angemessenen Teil des Stoffes zu tanzen. In dem Maße, in dem wir diesen nicht tanzen können, bilden wir eine Bürde für die anderen Tänzer, die wir ihnen einseitig aufladen, wenn wir in ihren Square eintreten. Was ist unser angemessener Anteil! Ich denke, er wandelt sich mit der Erfahrung im Level:
Es ist wichtig, zu erkennen, daß Du in der ersten Phase von der Stärke der anderen zehrst. Die Berechtigung dafür liegt in dem Versprechen, daß Du im Lauf der Zeit von Phase 1 nach Phase 3 fortschreiten wirst und dann die Hilfe zurückzahlen wirst, die Du selbst empfangen hast. Wenn Du in den nächsten Level gehst, ohne diese Hilfe zurückzugeben, läßt Du die Leute, die Dir in diesen Level folgen zu kurz kommen. Wenn Du weitergehst, bevor Du in Deinem augenblicklichen Level fit bist, läßt Du beide zu kurz kommen: den Level, den Du verläßt und den, in den Du gehst. Aber vor allem kommst Du selbst zu kurz.
Im Oktober waren wir in Nordjütland. Dänemark m der Nachsaison ist sehr schön, allerdings überwiegend für naturverbundene Leute. Die meisten touristischen Attraktionen sind nämlich schon geschlossen. Lediglich in den größeren Städten wie zum Beispiel Aalborg sind noch Museen geöffnet. Wer jedoch die Natur liebt, ist in Dänemark bestens aufgehoben. Auch die Verständigung mit den Dänen bereitet keine Probleme, da die Meisten entweder englisch oder deutsch sprechen.
Nordjütland ist das Land, das von Ost- und Nordsee umgeben ist. Die Ostsee ist die ruhige, die Nordsee die bewegte See. Am Ostseestrand gibt es im Vergleich zur Nordsee keine Wellen. Lediglich bei stürmischer See ist dies anders. Die Landschaft insgesamt ist sehr abwechslungsreich. Heideland wechselt sich ab mit Wäldern und Feldern. Dazu jede Menge Küste. Mit dem Auto ist man nur eine Stunde von der Ost- zur Nordsee unterwegs quer durch Dänemark.
Nordjütland hat noch einen Vorteil. Man kann dort sehr viele Square Dance Clubs besuchen. Allerdings tanzen die dänischen Clubs selten am Wochenende. Dann gibt es nur regionale Tanzveranstaltungen wie zum Beispiel den Freitagstanz in Aalborg oder den Sonntagstanz in Norresundby. Diese Tänze werden abwechselnd von den lokalen Clubs organisiert. Die Tänzer sind sehr gastfreundlich und man kommt auch schnell in Kontakt. Leider gibt es in Dänemark nur ein Verzeichnis der Clubs mit Kontaktadressen. Es fehlt aber die Angabe des Tanzniveaus und des Tanztages, so daß man sich durchfragen muß. Wir haben vor unserer Abreise mit Helge Blander, Mitglied der Triangle Square Dancers Aalborg und der DAASDC, Kontakt aufgenommen und von dort eine Auflistung aller Clubs bekommen, die jedoch auch nur die bekannten Clubdaten enthielt. Es war jedoch kein Problem, m Dänemark die für uns wichtigen Daten zu bekommen. Es wäre schön, wenn Dänemark die Daten wie bei uns, also wie im Bulletin oder den Advance News, herausbringen könnte.
Tanzen ist in Dänemark zum großen Teil angenehmer als m Deutschland. Die Tänzer lernen schon in der Basic Class das Bewegen zur Musik. So fängt man beim Circle Left oder Right normalerweise nur zusammen mit dem Durchschwingen an, anders als bei uns, wo jeder anfängt, wenn er die vorausgehende Figur beendet hat. Wir würden es sehr positiv finden, wenn dies auch in Deutschland eingeführt werden könnte, da es auch optisch sehr schön aussieht. Es ist allerdings nur möglich, wenn dies konsequent von Anfang an gelehrt wird. Hier wären also die Caller/innen bzw. die Vorstände gefordert.
Dies heißt jedoch nicht, das die Tänzer besser wären als bei uns, sie tanzen halt nur anders. Das Tanzniveau an sich ist vergleichbar dem unseren. Es gibt sichere und weniger sichere Tänzer wie überall auf der Welt. Auch in Dänemark werden jedoch bei manchen Figuren Zusätze getanzt, die nach unserer Auffassung mit der Definition nicht vereinbar sind. Beim »Weave the ring« machen die Ladies einen extra Twirl, beim »Grand Square« gehen diejenigen, die die letzte Bewegung als Couple machen, vorwärts statt rückwärts raus und machen dann als Couple ein »You turn back«.
Es gibt noch eine dänische Eigenart, die wir positiv finden und die vielleicht auch in Deutschland eingeführt werden könnte. Auf Specials oder Clubabenden dürfen sich Single Tänzer in einen Square stellen. Es kommt immer jemand, der die fehlende Position einnimmt. So entfällt das »zwanghafte« Verabreden für den nächsten Tip und Einzelpersonen müssen nicht häufiger Sitzen als Paare. Wir regen daher an, diese Sachen im Rahmen unserer Vereinigung einmal zu diskutieren.
Weiterhin ist uns aufgefallen, das auf den Clubabenden regelmäßig mehrere Level getanzt werden. So gibt es Clubs, die an einem Abend Basic, Mainstream, Plus, A1 und A2 tanzen. Sie haben dafür mehrere Caller und mehrere Hallen zur Verfügung. Durchschnittlich dauert ein Abend 3 Stunden und wird von einer längeren Pause von ca. 20 Minuten unterbrochen, in der Kaffee getrunken und Kuchen oder Kekse gegessen werden. So hat man auch Zeit zum gemeinsamen Gespräch und niemand muß spät nach Hause, da es eine Afterparty, wie bei uns in manchen Clubs üblich, nicht gibt.
Auch auf Specials werden mehrere Level in einer Halle getanzt, wobei häufig mit Basic angefangen wird. Basic ist also in Dänemark ein eigenständiges Level. Alles in allem haben wir von Dänemark einen sehr positiven Eindruck mitgenommen. Wir kommen gerne noch einmal wieder. Dies wird wieder in der Vor- oder Nachsaison sein, weil dann die Preise deutlich niedriger sind und man auch tanzen kann. Im Sommer macht Dänemark nämlich Tanzpause.
Der Square und der Round Dance gehören zusammen wie Leber und Zwiebeln, Apfelkuchen und Schlagsahne, Erbsen und Karotten. Wir sind sicher, daß wir beides nicht mehr trennen können. Tänzer, die Square und Round Dance machen, bleiben länger aktiv als reine Square Dancer.
Ich habe festgestellt, daß gut ausgebildete Round Dancer bessere Square Dancer sind, da sie es lernen, sich besser der Musik und dem Rhythmus anzupassen und nicht nur Figuren "ausführen" während ihrer Bewegung. Ihr Tanzstil wirkt weicher und eleganter. Als Travelling Caller gehe ich immer rechtzeitig zu einem Tanz, auf dem ich außerhalb meine Gebietes calle, um den Round Dancern zuzuschauen und in den Pausen mit ihnen zu sprechen. Das ist aber nicht der eigentliche Grund. Meine Augen und Ohren sind immer offen für das, was die Round Dancer tun und wie sie sich bewegen. Ich beobachte sehr kritisch ihre Bewegungen und trenne seht gut den "geschmeidigen" Tänzer von dem "abrupt" tanzenden Round Dancer während der Ausführung ihrer Figuren. Das ist der Punkt für mich, welche Tänzer ich mit Interesse verfolge und welche besser nicht.
Oft haben Round Dancer auch noch einen weiteren Vorteil für den "Sight"- Caller. Viele kleiden sich im partnerlook und es ist leichter, im Square zu beobachten, wer mit wem tanzt. Außerdem fand ich heraus, daß Round Dancer manchmal sehr "wählerisch" sind und meistens mit Tänzern ihres eigenen Tanzniveaus tanzen. Wenn Du es nie in Betracht gezogen hast, Round Dancer im Square zu beobachten, tue es, Du wirst sehr schnell herausfinden, daß es sich lohnt.
Bei drei Special Dances mit Mainstream - Workshop Programm hatte ich Erlebnisse, die mich nachdenklich bis wütend machten. In Paderborn bei einem bekannten amerikanischen Profi-Caller-Duo, in Berlin bei einem namhaften deutschen Caller und unlängst in Braunschweig bei einem schwedischen Caller wurden Al-, A2- und C1- Formationen und Figuren und Mainstream- Workshop unterrichtet. Das mag bei einem "Zing" noch akzeptabel sein - über "Zoom 3/4" und "Step Forward And Face In" läßt sich die Figur mit Mainstream- Definitionen erklären. Wenn aber ein Caller meint, den (teilweise wenig erfahrenen, weil erst letztes Jahr graduierten) Tänzern 'Split Counter Rotate Twice' aus einer Tidal Ocean Wave beibringen zu müssen (das zweite Split Counter Rotate startet m Parallel Ocean Waves!) - dann hat er das falsche Publikum vor sich. Die Leute stehen länger als daß sie tanzen, versuchen, die englischen, teils unbekannten Begriffe (Flagpole Center) zu verstehen und sind frustriert, wenn sie das Gewünschte nicht Tanzen können. Für einen Caller ist dieses ein Armutszeugnis. Mainstream hat genug Material zu "Workshop im Level" - (Centers Scootback, Ends Zoom aus Parallel Left Hand Waves; Zoom mit Boys als Leader m Single File Promenade; Circulate aus Lines of Four; Circulate 1+1/2 aus allen möglichen Formationen; "Same Spot with Right Hand Miniwave" - Workshop, wenn zwei Tänzer denselben Platz besetzen sollen etc. - Die MS-Definitionen sind mehr als einen Blick wert). Oder wie wäre es mit einem (Static Square) "Heads Left Fan the Top"?
Die Caller sollten sich vor einem Workshop die Mühe machen, in die Definitionen zu schauen und nachzudenken, anstatt Figuren eines höheren Levels zu nehmen.