Hallo Freunde,
Heute möchte wir über ein sehr wichtiges Thema für uns alle schreiben. Es dreht sich dabei um die Zukunft des Square Dancing im allgemeinen.
Ihr habt sicher von den Gerüchten gehört, daß Callerlab die Absicht hat, die verschiedenen Programme der Tanzlevel zu verändern.
Dies ist kein Gerücht. Diese Vorschläge wurden vor langer Zeit an alle Mitglieder von Callerlab verschickt mit der Aufforderung sich dazu zu äußern und im Jahr 1998 darüber abzustimmen.
Wir haben leider keinen allzu tiefen Einblick in diese Pläne, aber basierend auf den Informationen, die wir von Callern erhalten haben, würde es einen dramatischen Wechsel bedeuten und könnte einen entscheidenden Einfluß auf das Tanzen innerhalb Zentraleuropas und überall in der Welt haben.
Wir glauben, daß wir als European Association of American Square Dancing diese Veränderungen nicht brauchen. Unseres Erachtens dient dieses Bestreben hauptsächlich, um der Anzahl und dem Alter der amerikanischen Tänzer gerecht zu werden.
Wir verteidigen vehement die existierende Struktur der Tanzprogramme in den einzelnen Leveln und sind nicht bereit, Veränderungen zu unterstützen, an deren Erarbeitung wir nicht beteiligt waren.
Gespräche mit Präsidenten der anderen Vereinigungen Europas machten dieselbe Einstellung deutlich.
Alle waren der Meinung unsere Ablehnung zu diesen Plänen schriftlich zu formulieren; sie waren sogar bereit, für das existierende System zu kämpfen.
Wir persönlich sind der Meinung, daß alle am Square Dancing beteiligten Personen an solch gravierenden Veränderungen beteiligt sein sollten. Dies sind nicht nur die Caller, sondern auch die Tänzer.
In der Vergangenheit haben wir alle Veränderungen, die von Callerlab verabschiedet wurden, ohne Widerstand akzeptiert. Nun stehen wir vor einer Veränderung, die wir nicht akzeptieren sollten.
Es gibt noch einen Aspekt, über den wir noch nicht gesprochen haben. Glücklicherweise spielt er hier in Europa noch keine so wichtige Rolle. Er hat aber einen Punkt erreicht, den wir sorgfältig beobachten sollten.
Wir sprechen von Geld. Betreibt man Square Dancing aktiv, kostet dies eine Menge Geld, sowohl für Kleidung, Reisekosten und Mitgliedsbeiträge bzw. Eintritte.
Wenn Ihr das zusammenrechnet, werdet Ihr feststellen, daß wir trotz unseres relativ niedrigen Preisniveaus eine ganz schöne Summe für unser Hobby ausgeben. Sollten wir dann nicht einen Einfluß auf zukünftige Entwicklungen haben?
Aus unserer Sicht, persönlich und als President der EAASDC, sagen wir JA. Deshalb erwarten wir, in die Planungsphase bei großen Veränderungen eingebunden zu sein. Selbstverständlich tragen wir gerne zum möglichen Fortschritt unseres Hobbys innerhalb unseres Verantwortungsbereiches bei.
Bis bald in einem Square,
Margarete & Rainer Scheiblich
EAASDC President
Dies ist der Artikel, auf den Rainer in seinem "Brief
des Präsidenten" Bezug nimmt. Zum Verständnis sollte man
wissen, daß es in einigen Gebieten der USA aus vieldiskutierten aber
ungeklärten Gründen (Nachwuchsmangel, Callerfähigkeiten,
...) keine Mainstream-Clubs mehr gibt. Neue Tänzer müssen daher
unmittelbar nach der Mainstream-Class auch Plus lernen, damit sie in einem
Club tanzen können.
Editor
Bei der diesjährigen National Convention nahm ich an einer Ausschuß-Sitzung teil, die unter dem Titel "Die Zukunft des Square Dance" stattfand. Der Ausschuß bestand aus Vertretern von Callerlab und Jim Segraves, der zwei andere Mitglieder vertrat, die es vorgezogen hatten, nicht zu erscheinen. Ich war schockiert und entsetzt über das, was uns der Callerlab-Vertreter als Callerlab-Plan vorstellte: Weil viele neue Tänzer Schwierigkeiten mit dem verkürzten Lehr-Zeitplan von Callerlab hätten, (Mainstream und Plus wurden in den selben Zeitrahmen gedrängt, der früher nur zum Lehren von Mainstream benutzt wurde) hätten sie nun vor, "gewisse" Plus-Calls zu streichen und nicht mehr "Mainstream" und "Plus" als Programm zu führen, sondern nur noch "Square Dance". Er sagte, daß man beabsichtige, Square Dance letztlich so einfach zu machen, daß neue Tänzer ihn schnell und leicht lernen könnten und auch dann in Übung blieben, wenn sie nur einmal im Monat tanzten. Er sagte, man sehe die Zeit voraus, in der Square Dance zu einer "Familiensache" für den Sonntagnachmittag würde.
Zwei Punkte möchte ich dazu feststellen:
Hallo Callerlab! Laßt uns über die Sache reden. Ihr stellt dann vielleicht fest, daß die Tänzer, die Euch bezahlen, gescheit genug sind zu wissen, was sie wollen und was gut für ihren Club ist. Vielleicht stellt ihr auch fest, daß die Clubs lieber wollen, daß ihr wieder in den ersten sieben Monaten nur Mainstream beibringt, damit die neuen Tänzer wirklich Mainstream tanzen lernen, bevor sie mit zusätzlichen Plus-Calls überschwemmt werden.
Hallo Tänzer! Laßt die Caller wissen, wie ihr Euch fühlt. Ob ihr diesem Plan zustimmt oder nicht, auf jeden Fall sind es die Caller den Clubs schuldig, mit ihnen darüber zu beraten, wie es in Zukunft weitergehen soll, und die Tänzer sind es sich selbst und dem Square Dance schuldig, mit einbezogen zu werden. Vergewissert Euch, daß Ihr die Streitpunkte versteht und vergewissert Euch, daß nur das in EUREM Square Dance Club geschieht, was IHR geschehen lassen wollt. Ihr braucht nicht das "Opfer" zu spielen.
Übers.: Editor
In vielen Clubs haben wieder Classes begonnen, daher möchten wir mit den folgenden beiden Artikel einiges in Erinnerung rufen, was vielleicht im Laufe des Jahres vergessen wurde:
"Das sind die wundervollen Leute, die
Sei pünktlich. Du könntest der Grund sein, daß drei Paare während einer Lektion draußen sitzen müssen.
Sei aufmerksam. Sorge dafür, daß während einer Lektion alle Students in einem Square stehen. ABER warte nicht, bis sie einen Square bilden, lade sie in Deinen Square ein.
Laß den Caller die Class machen. Übernimm es nicht selbst, Paare aufzuteilen. Wenn es erforderlich ist, eine Gruppe aufzuteilen oder ein Paar zu trennen, wird der Caller das mit seiner Lehrmethode begründen.
Sprich nicht im Square, wenn der Caller Anweisungen gibt. Lernen, auf die Anweisungen des Callers zu hören, erfordert Konzentration. Niemand kann auf zwei Personen gleichzeitig hören. Alle sollten auf denselben Caller hören.
Tanzstil: Einige Tanzweisen, die sich Tänzer angewöhnt haben, sind in der Class fehl am Platz. Basics sollten in der ursprünglichen Form belassen werden. Der richtige Do-sa-Do, korrekte Hand- und Armhaltung, eine kurze Berührung zur Bestätigung der Position und keine "Abkürzungen" bestätigen neuen Tänzern die richtige Position für den nächsten Call.
Angel sind Helfer, keine Schieber: Anfänger müssen lernen, auf jede Anweisung zu reagieren. Jemanden sachte zu führen ist in Ordnung, aber wir erreichen nichts für den Lernenden, wenn er oder sie durch die Figur durchgeschoben wird und nicht weiß, was er / sie eigentlich tun sollte. Hilfestellung sollte bestimmt aber sachte sein.
Laß es den Caller wissen, wenn ein Tänzer nicht in annehmbarer Zeit das Concept eines Calls begreift. Der Caller kann den Call während des nächsten Tips noch einmal besprechen. Es ist nicht gut, einen Call während der Pause "beizubringen". Der Anfänger braucht Zeit zur Entspannung und um den Kopf klar zu bekommen. Was ist, wenn Du es falsch beibringst?
Kleidung für Anfänger: bringe die Anfänger nicht dazu, loszugehen und Square Dance Kleidung zu kaufen. Wie Du weißt, können Kleider sehr teuer sein. Ihr erster Special kommt noch früh genug.
Nimm neue Tänzer nicht zu Veranstaltungen mit, die über ihrem Können liegen. Du wirst überrascht sein, wir oft Clubmitglieder zu Anfängern sagen: "Auf geht´s, wir ziehen Dich schon durch!" Das schreckt neue Tänzer ab. Der Caller wird ihnen schon sagen, wann und wo ein Tanz ist, der ihrem Können entspricht. Jetzt ist Gelegenheit, sie dahin zu begleiten, wo ihr beide Spaß haben werdet.
Angst: Square Dance ist ein angstmachendes Unternehmen. Daran solltest Du immer denken, wenn Du mit Anfängern - auch nach ihrer Graduation - zusammen bist. Sie denken bei jedem Fehler, sie hätten ihn verursacht.
Tanze mit ihnen: Möchtest Du die Anfänger in Deinem Club behalten? Dann solltest Du mit ihnen tanzen, Dich mit ihnen während der Pausen unterhalten, sie ermuntern. Eine der größten Beschwerden neuer Tänzer ist, daß sie nicht sicher seien, ob ältere Clubmitglieder sie mögen.
Ratschläge für Angels
Bitte lies die folgende Aufstellung und merke sie Dir, auch wenn Du denkst, Du hast alles schon einmal gehört. Der Erfolg der Class hängt genauso vom Verhalten des Clubs wie vom Talent der Students an. Einige Ratschläge gelten in jeder Square Dance Situation, besonders im Umgang mit neuen Tänzern.
Sei freundlich.
Wir wollen, daß sich die neuen Tänzer wohlfühlen, also laßt sie sich bitte willkommen fühlen. Bittet sie, mit euch zu tanzen, anstatt sie sich selbst durchschlagen. Unterhaltet euch mit Ihnen während der Pausen.
Nicht schieben!
Dies ist eine besondere Art, freundlich zu sein. Wenn ein Class-Mitglied unsicher ist, werden einige von Euch Angels in großer Versuchung sein, es zu greifen und in die richtige Position zu schieben! Tut das nicht! Wirklich. NICHT SCHIEBEN! Ich benutzte die vielen Großbuchstaben nicht gern, aber das ist wirklich wichtig. Zumindest ist es einfach schlechtes Benehmen. Denkt daran: es ist nicht Deine Aufgabe, Dich durch die Sequenz zu bringen, sondern es den Class-Mitgliedern beizubringen. Sie lernen nichts durch "geschoben werden". Tut euer Bestes, selbst in der richtigen Position zu sein, streckt Eure Hand erwartungsvoll aus und / oder übt sachten (ich wiederhole sachten Händedruck in Einklang mit dem Ablauf des Calls aus, aber niemals, niemals greifen oder schieben. Es ist viel besser, den Square zusammenbrechen zu lassen, als die Leute herumzuschieben, um ihn zu reparieren. Zusammenbrechende Squares sind ein großartiger Hinweis für den Caller, mit welchen Figuren die Tänzer Probleme haben. Wenn Du andere beim Herumschieben beobachtest (manchmal sind das Gast-Angels, die sich selbst als umso bessere Tänzer einschätzen, je mehr sie herumschieben), nimm sie bitte nach dem Tip beiseite und bring sie dazu, sich zurückzuhalten. Wenn jemand bereits am richtigen Platz steht, aber wie verloren verzweifelt um sich schaut, ist Nicken und Lächeln das Beste, was Du machen kannst. Das soll nicht heißen, daß Du nicht auch lächeln sollst, wenn der Square zusammenbricht...
Ausgeglichene Squares
Versuche, wenn Du es unauffällig machen kannst, Class- und Clubmitglieder gleichmäßig auf die Squares zu verteilen. Erfahrene Tänzer im Square helfen, indem sie ein gutes Beispiel sind (sei es bitte), und vermindern die Wahrscheinlichkeit, daß der Fehler eines Tänzers den ganzen Square zum Stehen bringt und die anderen Tänzer um die Übung bringt. Das Problem, das hin und wieder entsteht, ist, daß Clubmitglieder daran denken, daß es für die Class wichtig ist zu tanzen, und sie daher zögern, sich in die Square zu stellen, bis sie endlich zum Auffüllen der letzten Square herangezogen werden. Natürlich sind diese dann Clublastig, während die Students in ihrer Begeisterung bereits sehr classlastige Square gebildet haben. Laßt das nicht zu - stellt Euch auf, wenn die Musik beginnt! Einer der besten Wege zur gleichmäßigen Verteilung ist, daß ihr vorzugsweise Classmitglieder als Partner auffordert. Denkt daran - wenn jeder Student ein Clubmitglied zum Partner hat, sind die Squares automatisch ausgeglichen.
Classmitglieder haben Vorrang
Denkt daran; sie sind zum lernen hier, also müssen sie tanzen. Aber manche sind schüchtern oder noch nicht ganz gewohnt, jemanden um einen Tanz zu bitten. Wenn Du ein Classmitglied draußen sitzen siehst, biete ihm Deinen Platz im Square an, besonders, wenn Du in einem clublastigen Square stehst. Wenn ihr natürlich alle eure Aufgabe wahrnehmt, Classmitglieder zum Tanzen aufzufordern, bräuchten wir keine Clubmitglieder auf diese Weise wieder hinauszuwerfen.
Spiele nicht Caller!
Sicher, Du darfst kleine Hinweise den Leuten zuflüstern, die momentan im Wald stehen, aber versuche keine größeren Belehrungen oder Reparaturen auf eigene Faust während ein Tip läuft ( und wenn Du draußen sitzt, springe nicht in den Square und versuche zu helfen ). Es gibt bereits einen Caller vorn am Mikrophon und wir sollten die Neuen dazu bringen, auf ihn zu achten. Verschiebe die Lösung größerer Probleme auf die Pause.
Keine Schnörkel
Beginne niemals irgendwelche "Schnörkel" mit einem Student. Du solltest sie während eines Class-Tips auch nicht mit Clubmitgliedern machen. "Schnörkel" machen das Tanzen lustiger, beeinträchtigen aber das Lernen, auch wenn ein Student nicht direkt daran beteiligt ist. Hebt Eure Schnörkel für die Club-Tips auf. Beispiele sind: Twirls beim Weave the Ring, Hei-De-Hoes statt Do-Sa-Do und der Schwing in der Mitte beim Promenade Halfway Round.
Oft waren unsere SD-Gastgeber überrascht, wenn wir, Gäste aus der Slowakei oder aus Tschechien, erklärt hatten, daß wir kein Bett zur Übernachtung brauchen, sondern uns einfach mit einem Schlafplatz auf dem Boden alle in einem Raum zufriedenstellen. Diese Art von Übernachtung ist aber typisch für Tramping, einem Lebensstil, der in Tschechien und teilweise auch in der Slowakei seit mehr als 80 Jahren sehr verbreitet ist, in Westeuropa aber eher unbekannt zu sein scheint. Deswegen möchte ich hier ein paar Worte darüber schreiben.
Tramping verbreitete sich in unseren Ländern schon am Anfang dieses Jahrhunderts. Der Ursprung stammt von den ersten Pionieren, die nach dem Westen von Kanada zogen, nicht etwa um Gold zu suchen, sondern des einfachen Lebens in der Natur wegen. In einem dicht bevölkerten Land wie dem unsrigen konnten die gestreßten Leute die Naturnähe nur im Wald suchen. Dorthin flüchteten sie am Wochenende, bauten sich einfache Holzhütten, oder schliefen unter dem freien Himmel. Sie verliebten sich in die Funken des Lagerfeuers, in den morgigen Nebelschleier, in die nach Harz und Baumnadeln duftende Frischluft der Wälder, die die steinigen Ufer der Flüsse säumten. Sie trafen gerne gleichgesinnte Leute, mit denen sie feste Freundschaften knüpften. Später, in den kommunistischen Zeiten, stellte diese Lebensweise eine willkommene Fluchtmöglichkeit vor dem öden Alltag des realen Sozialismus dar. Mindestens zeitweise wanderte fast jeder bei uns als Tramp durch die Wälder und hat dazu eine positive Einstellung. Tramping ist immerhin ein Symbol für Naturnähe, Bescheidenheit, Freundschaft und Geselligkeit geblieben.
Die ersten SD-Clubs sind bei uns eben aus diesen Tramping-Gemeinschaften entstanden. Dort wurden, dem Regime zum Trotz, die Country Tänze verbreitet und Ende der 80 Jahre auch Square Dance. Der Mehrheit der Tänzer ist Tramping vertraut und sie versuchen weiterhin, die Reste dieser Lebensweise zu pflegen. Wenn man schon in der Tramping-Kleidung nicht mehr tanzen kann, kann man immer noch die freundschaftliche Geselligkeit genießen, zu der auch die einfachste, aber gemeinsame Unterkunft mit Schlafsack oder Luftmatraze gehört. Deswegen findet man in den Flyers zu unseren Specials keine Hotel-Listen. Die Übernachtung in der Halle im Schlafsack ist selbstverständlich, und zwar nicht nur aus finanziellen Gründen.
Es ist der Zauber des Beisammenseins, wo die Gitarre und Gesang dazu gehören, aber auch kleine Spiele und Erzählungen, Witze, Klamauk und einfach so richtige Entspannung. Wer müde ist, kriecht einfach in seinen Schlafsack rein - ohne zu motzen, daß die Afterparty weiterläuft. Man erfährt, wer gerne länger schläft, was die Leute, mit denen man so oft im Square steht, am frühen Morgen für Augen haben, welchen Pyjama das sympathische Mädchen von dem XY-Club trägt, oder daß der schüchterne Junge da eigentlich witzige und nicht so schüchterne Lieder singen kann - man lernt einfach die Tänzer von vielen anderen Seiten kennen. Ein Tanzabend, wo die Leute nach dem letzten "Thank you" schnell in ihren Hotelzimmern verschwinden, kommt mir, und sicherlich der Mehrheit unserer Tänzer, unpersönlich und unfreundlich vor. Die Möglichkeit, mit den Freunden zu bleiben, zu tratschen und lange in die Nacht zu plaudern, würde mir fehlen, obwohl ich als Caller im Bett schlafen und ausruhen könnte (und sollte). Mit diesem Gefühl stehe ich nicht alleine da - ohne diese Möglichkeit wäre ich um ein Erlebnis ärmer, es würde mir etwas fehlen.
Ich hoffe, ihr versteht jetzt ein wenig besser, warum wir weiterhin unseren Schlafsäcken treu bleiben.
Wie wir festgestellt haben, findet die Diskussion über 'traditionelle' oder 'korrekte' Square Dance Kleidung nicht nur bei uns, sondern auch in den USA statt. Was uns besonders freut: wir haben (via Internet) auch dort Leser, die sich für die Vorgänge in Europa interessieren.
| From: Debi
Bliss <dbliss@castles.com> To: pade@compuserve.com Subject: reading your bulletin |
Hallo! Ich bin Amerikanerin und lese Euer Bulletin mit großem Interesse. Heute las ich den Artikel über Square Dance Kleidung und sehe, daß wir alle das gleiche Thema haben.
Ich bin eine von denen, die Schwierigkeiten mit der "Petticoat-Regel" haben, aber obwohl ich glaube, daß ich zur Zeit noch zur Minderheit gehöre, denke ich doch, daß wir auf dem Weg zu einer Änderung sind: Mehr und mehr Frauen kleiden sich in "Prärie-Röcke" (die längeren "Western"-Röcke) und manche Clubs haben das jetzt zu ihrer offiziellen Clubkleidung gemacht (das sind die, die alle in der gleichen Art gekleidet sind). Ich sehe diese Änderungen mit Freude!
Mir wurde (vor 20 Jahren) beigebracht, daß "korrekte Square Dance Kleidung" bedeutet: Frauen in weiten Kleidern/Röcken, Männer mit langen Ärmeln und flache Schuhe für alle. Das war alles, was mir jemals als "korrekt" beigebracht wurde, aber man wird dazu gedrängt, teure Petticoats zu kaufen und teure Kleider, die zu den teuren Petticoats passen.
Ich kann nicht verstehen, warum ein "Volkstanz" so teuer für das "Volk" sein muß. Wenn wir die ganze Zeit vor Zuschauern tanzen würden, wäre es vielleicht richtig, teure Kostüme zu tragen. In den alten Zeiten trugen die Leute das, was sie auch zum Kirchgang anzogen, sie hatten keine spezielle Kleidung, die nur zum Tanzen im Schrank hing.
Ich sehe ein, daß Frauen keine Hosen tragen sollten oder durchsichtige Kleidung, aber diese Forderung unterscheidet sich von einer starren Kleiderordnung. Ich war überrascht, daß Jeans für Männer unpassend sein sollen. Hier tragen die Männer Jeans, allerdings andere als ihre Arbeitshosen.
Ich hoffe ihr findet einen Kompromiss für Euch. Einige Regeln sind notwendig, damit die Leute nicht schlampig ankommen, aber nicht so starr, daß Frauen nicht tanzen können, wenn sie nicht viel Geld für einen Petticoat ausgeben wollen, der nur zum Tanzen getragen wird. Petticoats sind hier sehr teuer und ich denke, daß sie bei Euch noch teurer sind. Das ist zu teuer für eine Beschäftigung, bei der es um Freundschaft und einen netten Zeitvertreib geht.
Ich werde in den nächsten Tagen Eure übrigen Artikel lesen.
(Übers. Bulletin Editor)
Hilfe! Was ist "Tradition" ?
Ich glaube, ich werde diese "Tradition" und was sie bedeutet,
niemals richtig verstehen.
. . .
Ich habe daher eine sehr wichtige Frage:
Wo finde ich die Definition / Erläuterung / Geschichte, die mir
sagt, daß die Kleidung, die heute getragen wird, "traditionell"
und die einzige Art "korrekter Square Dance Kleidung" ist? Wenn
ich meine Meinung ändern soll, braucht es mehr als nur die Tatsache,
daß "es alle anderen auch machen". Hat uns Mutter nicht
immer wieder gesagt, "wenn alle von der Brücke springen würden,
würdest Du es dann auch tun?"
(Übers. Bulletin Editor)
Wir haben wieder im Archiv gegraben und einen Artikel gefunden, der vor etwa 10 Jahren im Bulletin erschien. Er scheint uns heute noch genauso aktuell wie er damals wohl war. Dieser Artikel ist übrigens auch Callern zu empfehlen! Vielleicht ist er auch Auslöser einer weiteren Diskussion? - Schreibt uns Eure Meinung!
Jeder von uns hatte irgendwann einmal die Idee, Square Dance zu seinem Hobby zu machen, und für die meisten von uns wurde dieses Hobby zur zweitwichtigsten Nebensache der Welt. Was war eigentlich der Grund weshalb Du, Du oder Du dieses Hobby erlernt hast? War es der Tanz, der Dich durch seine Figuren-Vielfalt faszinierte?. War es die Gesellschaft, das Zusammensein mit netten Leuten, die sehr schnell zu Freunden wurden? Oder die Möglichkeit mit vielen Gleichgesinnten - egal welcher Nationalität oder Rasse - zu tanzen und gemeinsam Spaß zu haben? Waren es die fröhlichen Afterparties nach dem Tanz?
Nun, diese Fragen im einzelnen zu beantworten, fällt wohl keinem leicht, denn für uns alle sind Tanzen, Geselligkeit und Spaß eben das, was wir unter Square Dance verstehen. Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, daß wir den steinigen Weg der Class bis zur Graduation durchgestanden haben, um später in der Lage zu sein, das Erlernte zusammen mit unseren Freunden tanzen zu können.
Wir erinnern uns gerne an die Zeit kurz nach unserer Graduation. Wir freuten uns jedesmal, wenn wir einen Tip, ohne den Square zum Stehen zu bringen, durchgetanzt hatten - und wir waren stolz darauf. Dieses Glücksgefühl hat wohl jeder frisch graduierte Tänzer. Auch jetzt nach vielen Jahren als aktive Square Dancer freuen wir uns, wenn es uns vergönnt war, an einem Abend mehrere Tips leicht und fließend, also smooth zu tanzen. Das ist der Spaß am Tanzen, den der überwiegende Teil der Tänzer empfindet. Der Spaß endet dann, wenn der Rhythmus des Tänzers durch unnötiges Beiwerk anderer gestört wird.
Nun ist Rhythmusgefühl nicht jedermanns Sache. Es gibt Menschen, die ein angeborenes Gefühl für Rhythmus haben und solche, die es sich erst aneignen müssen. Es müßte daher die erste Aufgabe eines Callers / Teachers bei einer Beginner-Class sein, den Teilnehmern dieses Rhythmusgefühl zu vermitteln, um den Neulingen überhaupt die Basis für ein harmonisches und flüssiges Tanzen zugeben.
Tänzer, die ein Rhythmusgefühl nicht kennen, tanzen nicht, sie "pflügen" durch den Square und sind meist für gewisse Extras anfällig. Für sie ist dieses Beiwerk eine willkommene Abwechslung, um ihrer Meinung nach dem Tanz erst den richtigen Pep zu geben. Daß andere Tänzer dadurch aus dem Takt kommen, ist für sie völlig unverständlich.
Es wäre jedoch zu einfach, jeden Unfug mit fehlendem Rhythmusgefühl des Tänzers zu entschuldigen. Nur zu oft spielt hier auch ein gerüttelt Maß an Rücksichtslosigkeit eine Rolle, wenn anderen dieser sogenannte Spaß förmlich aufgezwungen wird. Den Square zu verlassen, widerspricht den Square Dance Regeln. Was übrig bleibt, ist gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Das kann sehr frustrierend sein, wenn man mehrmals in Squares gerät, in denen diese "Scherzbolde" ihr Unwesen treiben.
Wer offenen Auges durch die Square Dance Welt geht, wird feststellen, daß immer dort am rauhsten getanzt wird, wo den Tänzern ein ideenloses Tanzprogramm geboten wird. Sich immer wiederholende Standardfiguren fordern die Tänzer geradezu heraus, etwas zur "Belebung" des Tanzes beizutragen.
Die einzelnen Tanzplateaus bieten soviel Variationsmöglichkeiten, daß es auch einem weniger routinierten Caller verhältnismäßig leicht fallen muß, sein Tanzprogramm so interessant zu gestalten, daß den Tänzern das Tanzen auch ohne Extras Spaß macht. Der Caller muß sich allerdings gründlich auf den Tanz vorbereiten. Wir möchten keinenfalls allein den Callern die Schuld an diesen Auswüchsen zuweisen. Sie können lediglich dazu beitragen, die Grundlage dafür zu schaffen, daß jeder Tänzer wieder ungeteilten Spaß am Tanzen hat.
Es gibt Clubs, da achtet das Board und der Caller sehr auf gutes Styling ihrer Mitglieder. Um den Twirl- Bump- und Kick-Freaks ein Ventil zu schaffen, haben sie sogenannte Fun-Tips eingeführt, wo sich diese Freaks einmal am Abend austoben können. Der Erfolg gibt ihnen recht. Die Abwanderung von Tänzern, und die hohe Zahl derer, die ganz mit dem Square Dance aufgehört haben, was zuvor gang und gäbe war, konnte dadurch gestoppt werden, denn die Tänzer haben wieder Spaß am Tanzen.
Die Twirl- Bump- Kick-Freaks sollten einmal darüber nachdenken, weshalb ihre Akrobatik Kunststückchen oft auf Ablehnung stoßen. Unser Motto
hat wirklich nichts mit diesen Extras zu tun, obwohl es als Rechtfertigung zu gern mißbraucht wird. Als vor langer Zeit dieser Satz geprägt wurde, war dieser Wildwuchs unbekannt. Man erfreute sich sich am Tanz und über die netten Menschen mit denen man sein Hobby teilte.
Damit dieses Motto auch in Zukunft seine Gültigkeit nicht verliert, sollten wir einen Satz hinzufügen, den eine Gruppe besorgter, aber auch begeisterter Tänzer und Caller fand:
Bei einer unserer letzten Travel-Touren sind mir und meinen Mittänzerinnen und Mittänzern bei einen Club gleich mehrere Sachen aufgefallen, die wir bisher in der freundschaftlichen und toleranten Square Dance Welt nicht kannten.
Wir, insgesamt 10 Tänzer und Tänzerinnen aus unserem Club, stellten uns zum Tanzen auf und wurden vom Caller begrüßt. Der Hinweis, daß in diesem Club traditioneller Square Dance betrieben wird und daher alle Bumps, Twirls und Swings die nicht gecallt werden, zu unterlassen sind, war an sich nicht zu beanstanden - aber auch hier macht der Ton die Musik.
Nach zwei Tips war klar, daß her zwar Mainstream getanzt wird, aber in so ausgefallenen Kombinationen und Figurenfolgen, daß viele der Tänzer Schwierigkeiten hatten, insbesondere auch, weil der Caller nicht unbedingt gut zu verstehen war. Als dann eine Tänzerin, die nur in Boy-Position tanzt und auch so graduiert wurde, aus einem Square hinauskomplimentiert wurde, da es in diesem Club "so etwas nicht gebe" (wir haben halt nicht genug Männer) und eine Tänzerin von einem Clubtänzer aus einem anderen Square herumgeschoben wurde, traf sich unser zufällig stark vertretendes Board zu einer Krisensitzung. Weitertanzen wollten wir unter diesen Bedingungen nicht: es waren viele frisch Graduierte dabei und wir wollten nicht das Risiko eingehen, daß ihnen die Lust auf´s Tanzen oder Traveln vergeht, nur weil hier kein Square läuft.
Dieses Gespräch wurde uns, wie wir später erfuhren, als "einen schönen Abend machen" ausgelegt, als würden wir eine Stunde und ca. 100 km fahren, um irgendwo eine Cola oder einen Apfelsaft zu trinken. Einfach wegfahren wollten wir aber auch nicht, so sprachen wir den Präsidenten an. Dieser nahm seinen Caller in Schutz, erzählte uns etwas von "Reinhören im Laufe der Zeit" usw., aber wir waren eben nur diesen einen Abend da und als dann auch noch der Ausdruck "Square Dance Weiber" fiel, zogen wir es vor, doch gleich abzufahren.
Die Frage ist nun, wie soll man sich in solchen oder ähnlichen Situationen verhalten?
Einfach tolerant sein, nichts sagen oder eine Aussprache suchen, auch wenn das Ergebnis nicht unbedingt befriedigend ist.
Was ist zu tun, wenn - was auch schon passierte - der gastgebende Club trotz Voranmeldung kein Travelbanner hat?
Der Abend endete übrigens doch noch gut, wir machten auf der Heimfahrt einen Stop an einer Raststätte und tanzten für ein "Autobahn-Dangel". Das Tanzen nach Kassette klappte hervorragend, wir hatten jede Menge Zuschauer und erhielten sogar Applaus.
Hallo,
wenn ihr diesmal meine Bericht im Bulletin lest, werden Karl-Heinz und ich mit einer Gruppe von meinem Tänzern in Amerika sein. Dies ist meine erste Reise in die USA. Natürlich werden wir unseren Urlaub mit Tanzen verbinden. So haben wir vor, verschiedene Square- und Clogging-Clubs und die National Clogging Convention in Nashville zu besuchen. Am Freitag der Winterjamboree werden wir dann in Amsterdam landen, um gleich mit dem Auto nach Bammental zu fahren. Also, wenn ihr einen etwas müden Clogging Coordinator antrefft, weckt ihn bitte.
Im letzten Bulletin Hatte ich schon angesprochen, daß die Zusammenarbeit von Callern, Cuern und Instructorn sehr gut möglich ist. So kann man gemeinsame Sommerprogramme planen und auch einen gemeinsamen Silvester Dance, wo alle drei Tanzarten angeboten werden. Sich in regelmäßigen Abständen zu treffen, Seminare und Besprechungen abzuhalten, hilft beim Planen von gemeinsamen Unternehmungen. Bei verschiedenen Specials heißt es dann: "Caller, Cuer und Instructor from the floor". Dies wird auch von den Tänzern sehr gut angenommen, denn immer mehr tanzen nicht nur eine, sondern zwei oder sogar alle drei Tanzarten (und ein Clogger hat immer seine Tanzschuhe dabei). Darüber hinaus kann z.B. ein Square Dance Club einen Clogging Club besuchen oder auch umgekehrt. Es wird zusammen getanzt und die Tänzer können so auch die jeweils andere Tanzart kennenlernen. Die gemeinsame Afterparty am Schluß wird besonders groß geschrieben. Versucht es doch einmal und bezieht auch mal einen Club mit einer anderen Tanzart in eure Reisepläne mit ein.
Zum Abschluß möchte ich auch noch etwas sagen zu: .... Warum englisch?
Englisch ja, auf offiziellen Veranstaltungen, Jamborees, Specials usw. Englisch ist nicht nur die traditionelle Sprache in unserem Hobby, sondern auch Weltsprache und wir haben auf den großen Veranstaltungen Gäste aus ganz Europa, die den Workshop außer in ihrer Muttersprache nur in Englisch verfolgen können. Das heißt nicht grundsätzlich kein Deutsch. Im Club kann jeder Teacher seinen Tänzern das Erlernen der Figuren erleichtern, indem er sie auf Deutsch erklärt. Wenn in Club nur Englisch geteacht wird, werden viele neue Tänzer abgeschreckt, die überhaupt nicht Englisch sprechen und verstehen. Diese Erfahrung haben wir schon öfter machen müssen. Trotzdem muß der Tänzer soviel Englisch lernen, daß er einen Workshop in englischer Sprache versteht und mittanzen kann. Englisch ist auch nicht meine Muttersprache, aber ich lerne sie, weil ich das an meine Tänzer weitergeben kann, selber in der Lage bin, Workshops in Englisch zu verstehen und was besonders wichtig ist, Sprache verbindet!!
Eure
Tina
Im Bulletin 11/97 erschien ein sehr interessanter Leserbrief von Gina Draker unter dem Titel "Nur für alte Hasen?". Sie ließ darin durchblicken, daß sie gerne die Meinungen anderer Tänzer dazu hören möchte.
Die Gedanken, die mir zu diesem Thema gekommen sind, will ich Dir nicht vorenthalten, liebe Gina. (Ich schreibe in der Du-Form, weil mir das Schreiben so leichter fällt und weil wir uns persönlich kennen.)
Zunächst einmal teile ich Deine Empörung darüber, daß es Menschen gibt, die ihre Arroganz so zur Schau stellen. Die haben offenbar vergessen, daß sie auch einmal Anfänger waren.
Außerdem: Wer sagt denn, daß diese selbsternannten Square-GÖTTER tatsächlich so perfekt sind wie sie sich einbilden?
Doch andererseits ist oft zu sehen, daß Squares zusammenbrechen, weil EINFACHSTE Grundschritte nicht beherrscht werden! Hat sich dann ein Caller z.B. bei einem Workshop eine besonders raffinierte Figur ausgedacht und Du stehst mit Leuten in einem Square, die nicht mitkommen, kann das durchaus zu Frust führen. Und ich habe selbst oft die Faust in der Tasche darüber geballt. Von daher(bitte, Gina verzeihe mir!) kann ich den von Dir zitierten Mittänzer in gewisser Weise verstehen. Wenngleich auch seine Art, das auszudrücken, sehr kraß ist.
Aber mich beschäftigt etwas ganz anderes. Woran liegt es, daß geradezu erschreckend viele Tänzer so unsicher sind?
Nun - das hat mehrere Gründe: Zum eine werden Square Dance Classes oft unter Zeitdruck abgewickelt. Zu einem lange vorher geplanten Termin ist die Graduation festgesetzt, und die wird durchgezogen - die Leute, die noch nicht fit sind, schleifen wir mit.
Das alleine wäre noch nicht so tragisch. - Wenn die Frischgraduierten danach regelmäßig zu ihren Clubabenden gehen und darüber hinaus auch andere Möglichkeiten nutzen, um Routine zu bekommen, also Specials, Clubbesuche etc., sind die Anfangsschwierigkeiten schnell überwunden. Tun aber viele nicht. Warum? Vielleicht deshalb, weil Square Dance doch nicht so großen Spaß macht? Weil man ja noch sooooviele andere Dinge zu tun hat und das Tanzen nur eine von vielen Nebensachen ist?
Dann sollten die Betreffenden ernsthaft darüber nachdenken, ob Square Dance für sie wirklich das richtige Hobby ist. Mein Gott, es zwingt Euch doch keiner! Hört auf, wenn ihr keine Lust mehr habt! Habe ich übrigens auch getan. (Ich tanze jetzt nur noch Rounds - mit umsomehr Begeisterung.)
Die, die weitermachen wollen, solltest Du dazu ermuntern, möglichst oft mitzutanzen. Überzeuge sie davon, daß nur Übung den Meister macht! Dann werden sie bald über alle Lästereien erhaben sein.
Alles Gute!
Otmar
Tanzen soll Spaß machen (!) und Fehler machen WIR ALLE. Ob Neuling oder "alter Hase" - von MS bis C. Wenn jemand einen Fehler macht - was soll´s kommt vor - reset the square. Wenn aber immer dieselben Leute immer dieselben Fehler machen - und Du stehst ¾ des Tips nur in der Gegend herum, dann kann einem wirklich der Spaß vergehen.
Irgendwann stelle ich mir die Frage: Warum ist das so? Meine Vermutung liegt in folgenden Beobachtungen der letzten Jahre:
Darüber hinaus wollen viele Clubs aus vermutlich pekuniären Gründen jedes Jahr eine Class mit möglichst vielen Students abhalten (und möglichst schnell graduieren). Und um kein potentielles Mitglied (und damit Beiträge) zu verlieren, werden alle graduiert - auch wenn sie "rechts" nicht "von "links" unterscheiden können.
Diese Entwicklung führt zu dem Schluß:
Damit sind wir bei einem weiteren Diskussionsthema (und Ursache für Square-Zusammenbrüche)!
Square Dance als internationale Bewegung braucht auch eine internationale, einheitliche Sprache (wer dies ablehnt, kann grenzüberschreitende Freundschaften und Veranstaltungen gerade mal vergessen - und damit die Grundlage des Square Dance). Da der SD in der heutigen Form aus den USA kommt, liegt es nahe, daß diese Sprache Englisch ist. Nicht nur aus Gründen der Tradition (aber auch). Man kann wohl kaum erwarten, daß Millionen von Tänzern in aller Welt Deutsch lernen, weil eine Handvoll Leute (vorsichtig ausgedrückt) nicht in der Lage sind, sich ein paar englische Wörter einzuprägen. Ganz neben bei Bildung schadet nicht! Und da Englisch in Deutschland schon seit Jahrzehnten Pflichtfach ist, kann es nicht mehr als einer Auffrischung bedürfen. Das Einzige, was dagegen spricht: Faulheit! Aber wer zu faul ist, den Geist zu bewegen, sollte seine Defizite nicht auf Kosten Anderer kompensieren wollen!
Ich bin mir durchaus der provokativen Komponenten dieses Beitrags bewußt. Aber nur aus kontroversen Diskussionen kann man lernen - vorausgesetzt, man ist gewillt, verschiedene Perspektiven und Argumente (auch die eigenen) zu hinterfragen.
vor einiger Zeit habt ihr mal um Meinungen gebeten zum Thema "Englisch - muß das sein?". Das wichtigste an diesem Thema ist wohl die Definition "Englisch".
Zweierlei ist englisch:
Die Namen der Figuren und Definitionen erlernen wir in der Class. Es wird der englische Begriff eingeführt durch Zeigen und Erklären. Selbst mit Schulenglischkenntnissen mußte ich diese Figuren als neue Vokabeln erlernen, da die Schreibweise der Figuren für mich nichtssagend waren.
(Editor: Unsere Korrektorin erinnert daran, daß manche Calls auch für Engländer
und Amerikaner ursprünglich französische Fremdworte sind:
Dosado - dos-a-dos - Rücken an Rücken
Allemande - a la main - mit der Hand)
Bei den Satzkonstrukten als verbindende Elemente war ich jedoch im Vorteil - ich wußte was der Caller wollte, während Tänzer ohne Englischkenntnisse damit nichts anzufangen wußten. Und das stand doch arg im Gegensatz zu dem, was propagiert wurde: Englisch ist keine Voraussetzung, um Square Dance zu erlernen!
Und genau an diesem Punkt sollten wir vielleicht einige Caller und Cuer von ihrem hohen Roß herabsteigen: Wir tanzen in Deutschland - und wir sprechen deutsch!
Natürlich soll englisch auch weiterhin die Fachsprache bleiben. Die Definitionen und Namen sollen und müssen im Sinne des weltweiten Standards in englisch bleiben. Allerding sollten man in Deutschland die Verbindungen - z.B. "if you face out ..." - in deutsch erklären oder zumindest übersetzen.
Auf Veranstaltungen mit deutsch verstehenden Tänzern genügt sicherlich die deutsche Version. Sobald jedoch Tänzer anwesend sind, die kein deutsch verstehen, muß man (auch) auf englisch erklären. Das ist selbstverständlich - und ich habe es schon auf vielen Veranstaltungen gehört, daß es parallel in deutsch und englisch reibungslos klappte.
Ebenso ist es - sicherlich nicht nur für die Neuanfänger - interessant, die Namen der Figuren zu übersetzen. Ich habe dieses als sehr interessant in meiner Round-Dance-Class empfunden, da ich mir dann zu den Figuren nicht nur einen Namen, sondern auch einer Bedeutung zuordnen konnte. So konnte ich mir zu "Scissirs" nicht nur die Schrittfolge merken, sondern wußte mit der Übersetzung "Schere" auch, warum so gegangen wird. Ähnliche Beispiele gibt es sicherlich auch im Square Dance. Nur so erhalten wir auch Tänzer ohne Enlischkenntnissen den Spaß am Tanzen und erleichtern das Erlernen von Figuren.
Kurz: Ich bin nicht gegen Englisch als Fachsprache beim Tanzen und habe auch nichts gegen englische Satzkonstrukte - nur erläuternd eingeführt werden müssen sie.
Die quantitative Verringerung von RD-Angeboten bei Specials ist ein Umstand, der mir schon vor Jahren unangenehm auffiel. Vorwiegend bei solchen Clubs, die selbst keinen RD anbieten oder bei denen auch nicht ein einziges Mitglied RD praktiziert. Sicher steht es den Clubs frei, wie sie ihr Programm gestalten, doch habe ich immer mehr den Eindruck, das RD unerwünscht ist.
Bei den Specials, die ein halbwegs vernünftiges RD-Level anbieten, wird einem der Spaß verleidet, weil Nichttänzer laut reden. Eine Unsitte, die nicht nur unhöflich ist, sondern unverschämt. Als Äquivalent könnte ich mir vorstellen, laut grölend durch Squares zu laufen! Ich bin sicher, die Begeisterung der Tänzer hielte sich in Grenzen.
Niemand soll gezwungen werden, RD zu mögen - aber bitte, jedem seinen Spaß! Auch wenn man selbst eine Tanzart oder einen Level nicht mag - soviel Toleranz und Rücksichtnahme auf Andere muß ich von Erwachsenen erwarten können.
Nur weil manche Zeitgenossen nichts Anspruchsvolles tanzen können oder wollen, steht ihnen nicht das Recht zu, anderen Tänzern die Freude daran zu beschneiden, wie es einige offensichtlich gerne tun würden. Zitat: "Viel zu viel A und C" oder " Round Dance - was soll das - das geht doch nur von unserer Zeit ab"!? Auf derlei intolerante Sprache einzugehen, möchte ich mir verkneifen.
Jeder ist anders, hat andere Vorstellungen und Ansprüche - und jeder soll Spaß haben können!
Meine Idealvorstellung einer gelungen SD/RD-Veranstaltung: ein qualitativ und quantitativ ausgewogenes Programm, mit Callern und Cuern, die die entsprechende Stimmung rüberzubringen verstehen, sowie gutgelaunte Mittänzer und tolerante Andersdenkende!