Einige Leser scheinen uns auch gründlich mißverstanden zu haben: wir sind keineswegs generell gegen Square Dance Kleidung, aber auch nicht bedingungslos dafür. Es war schon immer zulässig (früher sogar üblicher als heute), in zivil an Workshops teilzunehmen oder in einer geschlossenen Gruppe zu üben, daher unsere Einstellung "alles zu seiner Zeit". Völlig daneben liegt auch eine Tänzerin mit ihrem Eindruck, wir wollten alle Schwangeren vom Tanzen ausschließen - obwohl wir doch selbst gerade stolze Großeltern geworden sind. Unsere Vorbehalte richten sich vor allem gegen verschwitzte und schlampige Kleidung sei sie nun "zivil" oder "korrekt".
Die immer wieder vorgebrachte Forderung "die Tradition zu wahren" führte uns zu der Frage, was denn diese Tradition eigentlich sei. Auf der Suche nach entsprechendem Material stießen wir auf einen Bulletin-Artikel vom Juni letzten Jahres. Er beschreibt, welchen Veränderungen die Square Dance Mode im Lauf der Zeit schon unterlag. Da vielleicht nicht alle Leser Zugriff darauf haben, wiederholen wir hier nochmals die wichtigsten Passagen.
Wir überspringen jetzt 100 Jahre, die Kleider der Frauen waren lang; darunter wurden gestärkte Petticoats und knöchellange, spitzenbesetzte Unterhosen getragen. Derartige Kleidung erlaubte freie und ausschweifenden Bewegungen bei den Square-, Round- und Paartänzen.
Ein weiterer Sprung vorwärts bringt uns ins 20. Jahrhundert, genauer gesagt in die 20-iger Jahre, Kleidungsvorschriften verlangten von den Damen lange Kleider und weiße Handschuhe.
Nach dem 2. Weltkrieg erinnerten sich die Damen bei der Auswahl ihrer Kleidung der langen Kleider der früheren Jahre. Zunächst waren sie gerade und wurden ohne Petticoat getragen. Bald darauf endeten die Säume knapp über den Fußgelenken; gestärkte Petticoats und knöchellange, spitzenbesetzte Beinkleider kamen hinzu.
Anfang der 50-iger "entdeckte" man die sogenannten Squaw-Kleider sah ein drei- oder vierstufiger Rock dann plissiert aus, ähnlich denen der Indianerfrauen. Viele Meter Zickzack-Band wurden als Schmuck verarbeitet, so daß die Kleider acht oder neun Pfund wogen. Der Saum beim Square Dance war auf Fußknöchel- oder Wadenlänge hochgerutscht und aus knöchellangen Beinkleidern waren kniebedeckende Schlüpfer geworden.
In den 60-igern kamen Kunstfasern auf. Es wurde lagenweise Nylontüll für Petticoats verwendet, wodurch die Kleider ihre schöne weite Form behielten. Der Saum rutschte jetzt nach oben und es gab Höschen, bei denen sich Reihe um Reihe von Spitzen am Bein hinabzogen. Im übrigen war es eine persönliche Entscheidung, wie lang man die Höschen am Schenkel tragen wollte.
Mit den 70-igern kamen die Bordürenstoffe. Diese Drucke wurden nicht nur zur Verzierung am Rocksaum genutzt, vielmehr konnte man die Muster am Oberteil und Ärmel einarbeiten. Die Rocklänge wurde kürzer und jeder bestimmte die gewünschte Länge selbst. Auch wurden die Petticoats voller und mit dem höher rutschenden Saum sah das Ganze zunehmend mehr nach dem Tu-Tu einer Ballerina aus.
In den 80-igern kehrte man zu verspielterer Kleidung zurück. Die meisten Kleiderschnitte bevorzugen Reihen von Rüschen, Spitzen und Bändern. bei sehr weiten Röcken und Petticoats. Die Länge des Kleides und der Pettipants bleibt dem guten Geschmack überlassen und kann von knielang bis sehr kurz reichen.
Moderne Square Dance Kleidung hat nichts mehr mit. "Authentischer Planwagen-Mode" zu tun: Männer tragen gut sitzende Westernhemden, Westernhosen oder Jeans, sowie Stiefel oder bequeme Schuhe; Frauen können in ihrer Kleidung jede gewünschte Individualität zeigen und ihrer Phantasie dabei freien Lauf lassen. Ärmel, Ausschnitte, Röcke, Applikationen, Farben, Kombinationen,
...... es gibt keine Grenzen!...
Denkt aber bitte bei Kleidung, Rocklängen und Ausschnitten immer an den guten Geschmack. Ausschlaggebend ist, daß es der Trägerin steht und dem Betrachter gefällt.
Sobald sich eine Lady oder ein Gent in der Öffentlichkeit als Squaretänzer präsentieren (sei es bei Auftritten, bei Country-, Western- oder Truckerparties, bei Besuchen in anderen Clubs, bei Jamborees oder Specials usw.) haben sie korrekt gekleidet zu sein - und zwar von Kopf bis Fuß. Da sind hohe Absätze, Söckchen, schwarze Netzstrümpfe, Spaghettiträger oder anderer modischer Kram fehl am Platz. Ganz gleich, wie heiß es ist, sollten auch Pettipants und langärmelige Hemden getragen werden. Stärkere Figuren sollten durch eine angemessene Rocklänge dem Betrachter einen ästhetischen Anblick vermitteln. Abgesehen von der Kleidung sollte auf ein gepflegtes Äußeres geachtet werden, was auch Frisur und Rasur einschließt. Und oft sind es auch ,,unsichtbare" Dinge, die das Tanzen nicht zum ,,fun" machen: die klebrigen, schweißnassen Hände, mit denen ich zwangsweise in Berührung komme. Das müßte nicht sein, überall ist eine Wasserstelle in der Nähe.
Schmuddelige Leute, mögen sie sich in ihrem Outfit auch noch so wohl fühlen, ziehen das Squaredance-Image nach unten. Es ist eine Sache des Heimatclubs, auf ein gewisses Niveau zu achten. Ich gehe in meinem Club sogar so weit, daß sich die Damen vor Demos bezüglich der Kleidung absprechen, um dem Betrachter auch ein farblich optimales Bild zu vermitteln. Unsere Devise ist: So, wie ich mich präsentiere, so werde ich eingeschätzt!
Nun komme ich zur clubinternen Seite: befinden wir uns in unseren eigenen vier Wänden und es sind z.B. zwei Stunden A2-Workshop angesagt, d.h. eine schweißtreibende Angelegenheit, da tanzen wir in "Zivil". Dabei tragen wir aber auch flache Schuhe und die Damen Röcke. Abgesehen davon, daß es bequemer ist, sind einige von uns finanziell nicht so gut gestellt, daß sie es sich leisten könnten, ihre Kleidung sinnlos zu verschleißen. Mit der Qualität des Tanzens hat das nichts zu tun.
Die Art uns zu kleiden und zu präsentieren geschieht also nicht nach "Lust und Laune", sondern wohlüberlegt und zweckmäßig.
Alles zu seiner Zeit und am passenden Ort.
Square dance Kleidung - ja bitte. Auch am Trainingsabend, denn auch der "swingende Einsatz" des Petticoats muß erlernt und trainiert werden - kein Wunder also, daß als Folge der Ablehnung der korrekten Square Dance Kleidung das Styling sehr zu wünschen übrig läßt - vielleicht eine lohnende Aufgabe für die Caller.
Ich habe in meiner 20-jährigen Tanzzeit feststellen müssen, daß die Regeln oder Empfehlungen über Kleidung immer mehr "verwässert" wurden. Ich gebe dem norddeutschen Trio recht, viele Punkte in diesem Brief sind mir auch schon vorgekommen.
Und wenn Angelika in ihrem Brief meint, lieber mit einem Tänzer mit einem kurzärmeligen Hemd zu tanzen, als mit einem, der ein verschwitztes 3-Tagehemd anhat, so kann ich nur sagen, das steht nicht zur Debatte, denn statt des kurzärmeligen Hemds hätte dieser Tänzer auch eines mit langen Ärmeln anziehen können. Und nach einer gewissen Zeit ist auch der "Kurzärmelige" verschwitzt und dann? Ich habe bei einem "höheren Tanzlevel-Wochenende" während eines Armturns die Bekanntschaft eines verschwitzten, behaarten, nackten Unterarmes machen dürfen. Ich kann nur sagen, das fühlte sich an, wie eine tote Wasserratte, die man gerade aus dem Teich gezogen hat.
Bei uns in der Region gibt es auch Tänzer, die meinen, wenn von den Callern auf der Bühne die Jeans salonfähig gemacht werden, dann dürfen die Jeans auch nach der neuesten Mode zerschlissen und über den Knien durchgerissen sein.
Ich habe mich immer über die engsitzenden Hosen der amerikanischen Caller amüsiert, aber das waren wenigstens Hosen und mit Kniff. Wenn ich da heutzutage manchen Caller auf der Bühne sehe, meine ich, der kommt gerade aus dem Jeansshop. Ich denke da oft an die Zeit eines Dave Preskitt, der immer einen sauberen, eleganten und adretten Eindruck hinterließ.
Da paßt auch der Inhalt des Briefes von Rainer ins Thema. Vernachlässigung des "Square Dance Verhaltens" und Erinnerung an die Wurzeln des Square Dance. Ich meine, wenn wir uns ein Hobby aussuchen, dann gehört alles dazu, und wenn ich Square Dancer bin, dann gehört auch die korrekte Kleidung dazu (zumindest auf Veranstaltungen). Ich gebe zu, das ist für die Tänzer einfacher als für die Tänzerinnen (mit Pettipants, Petticoat, Tanzkleid oder Rock und Bluse), aber fast immer sind die Damen adretter gekleidet als die Herren.
Fazit: Ich freue mich immer über eine nette, bunte und angemessene Squaredance-Kleidung meines/er Gegenüber und gebe diese Freude durch entsprechendes Aussehen gerne zurück. Gerade in unserer Zeit sollten wir Squaredancer uns auf dieses besinnen.
"Freie Kleidung für freie Squaredancer" ist wohl nicht im Sinne unseres weltweiten Hobbys. Das bestätigen auch meine Kontakte weltweit.
Dies scheint für viele von uns aber nicht mehr zu gelten, wenn ich lesen muß, daß die wöchentlichen Treffen als ,,nur" Trainingsabende für die Wochendveranstaltungen bezeichnet werden. Hier rückt dann wohl doch der Ehrgeiz und Tanz in den Vordergrund. Nun gibt es aber immer noch viele Freunde, die aus unterschiedlichen Gründen nicht auf Special dances oder Jamborees fahren können. Für sie ist unser wöchentliches Treffen das gesellschaftliche Ereignis, auch wenn sie in sogn. höherem level tanzen.
Aufgefallen ist mir auch der Begriff unpraktisch im Zusammenhang mit tanzen. M. E. wäre es gerade für viele "high level" Tänzer angebracht sich wieder an fließende schöne Bewegungen in Tanzkleidung zu gewöhnen; dann würden sie auch wieder eher den Eindruck des Tanzens hinterlassen. So haben viele von uns eher das Gefühl des Marschierens ohne erkennbaren Rhythmus.
Ich denke es kommt durch die Tanzkleidung erst das besondere beschwingte leichte Gefühl auf. Aber höchstwahrscheinlich ist dies gar nicht mehr gewollt; wie sonst kann es sein, daß gerade die "high - level-Tänzer" verstärkt Singing Calls ablehnen.
Auch sehe ich es nicht als starres Auslegen, wenn wir uns alle an gemeinsam formulierte Wünsche halten. Anders ist es, wenn wirklich die Mehrzahl von uns Ihre Wünsche, wie in Melanie's Brief erwähnt, neu definiert.
Warum soll die Mißachtung der einen Regel stärker wirken, als die der anderen? Ich sehe die Nichteinhaltung als Boykott der Squaredancefreundschaft: Ihr seid mir die "Mühe" nicht wert. (Wenn es denn überhaupt eine Mühe ist).
Fraglich ist auch der Hinweis auf Amerika. Wir wissen alle, daß dort einiges im Argen ist. Müssen wir denn den Beispielen von dort immer kritiklos folgen, oder sollten wir nicht vielmehr sehen, unseren Weg zu finden?
Für mich bedeutet dies vielmehr "back to the roots" und Besinnung auf alte, trotzdem gute Ideen der Freundschaft und Kameradschaft. Vielleicht tut es uns allen dabei auch gut nicht nur auf "Tänzermasse", sprich Neuwerbung zu schauen, wenn die ursprünglichen Ideale dann weichen müssen.
Die Students wissen dann schon, daß zu jedem Tanz auf der ganzen Welt, eine bestimmte Art der Kleidung gehört. So ist es für den Caller einfach, den Tänzerinnen zu erklären, daß T-Shirts Unterwäsche für Männer sind und keine passende Tanzkleidung, weder für klassischen Tanz, noch für Square Dance oder irgend einen anderen zivilisierten Tanz. Einige Tänzerinnen würden viel für ihr Erscheinungsbild tun, wenn sie sich entscheiden könnten, Nylonstrümpfe zu tragen. Für die Tänzer wäre wichtig zu wissen, daß Blue Jeans Arbeitsklamotten sind, die man in der Werkstatt oder als Tankwart trägt. Ganz ohne Zweifel: Die Tänzer haben Hemden mit langen Ärmeln zu tragen. Und für alle, die es trotzdem nicht glauben können:
In unseren Classes wird jedem Student ein Buch ausgegeben. Das Buch ist zum Lesen da. Auf den Seiten 18 bis 20 erklärt Rudi Mennes Grundsätzliches zu Square Dance Kultur und Kleidung für Klub und Class. Mich wundert oft, wie viele Tänzer zugeben, das Buch nie gelesen zu haben. Sie werden auch dieses Bulletin nicht lesen und weiter ihre eigenen Regeln machen. Ist Ignoranz der Weg in die Zukunft ?
Viele erfahrene Caller, mit denen ich sprechen konnte, bedauerten: "Mit dem Square Dance geht's bergab." Aber ich glaube, wenn Klub und Caller daran arbeiten, daß eine Class von Anfang an in der richtigen Umgebung wächst und der Caller selbst darstellt, was er lehrt, werden wir auch für die Zukunft unsere Kultur und Gemeinsamkeit im Square Dance erhalten können. Die Tanzkleidung ist ein Teil davon.
Was wir dazu brauchen, ist eine von Grund auf informierte und gesunde Einstellung zu einem amerikanischen Brauch.
Und genau diese Frage lassen die Autoren offen. "Ich meine, daß wir für ALLE greifbare Gründe für SD-Kleidung benötigen" schreiben die Autoren, und dann bleiben sie genau diese Gründe schuldig, um sich auf die "drei Grundsätze erfolgreicher Unternehmensführung", nämlich
zurückzuziehen. Man fordert das blinde Einhalten von Regeln, ohne die Existenz dieser Regeln zu begründen. Ich calle regelmäßig für zwei Vereine, die diametral unterschiedliche Ansätze vertreten:
Ich weiß von Tänzern, die deswegen den Verein wechseln, und zwar in beide Richtungen, und kann prima damit leben. Warum um alles in der Welt sollte man das eine oder andere verbieten oder madig machen? Tanzkleidung muß verschiedene Bedingungen erfüllen:
Wollen die Tänzer, die die traditionelle Kleidung propagieren, nicht, daß Tänzer in 'ihr' Hobby einbrechen, die diese Kleidung nicht mögen und auch vielleicht sonst andere Vorstellungen haben? Will man das 'Jungvolk' in Jeans und T-Shirt am Ende überhaupt nicht dabei haben? Neue Leute ja, aber nur, wenn sie denken wie wir? Oder sind einfach die "Klufthasser" aufgrund des Drucks abgewandert? Die SD-'Kluft' ist kein Judoanzug, der getragen wird, weil kein T-Shirt einen Judowurf überstehen würde. Sie ist ein traditioneller (nicht sehr alter), aber kein notwendiger Bestandteil des Tanzens. Ich wünsche mir (besonders von den 'Kluft'-Befürwortern) Argumente für das Tragen von Westernhemd, Stoffhose, Bolo Tie, Petticoat, Rüschchenbluse, und besonders für das Aufstellen von Richtlinien darüber. Und nicht nur: "Das war schon immer so" und "es ist schöner". Danach kann man über den Inhalt solcher Richtlinien nachdenken, vorher nicht.
Die inhaltliche Aussage des Artikels "Wie gut ist gut" von Barry Clasper (erschienen im EAASDC Bulletin März 1997) fand ich gut und richtig. Zur Argumentation wurden jedoch Wahrscheinlichkeitsberechnungen benutzt, die so falsch sind, daß ich sie kommentieren muß.
Auf Seite 58 ff. wird versucht aus den Wahrscheinlichkeiten einzelner Tänzer eine Figurenfolge korrekt zu tanzen, die gemeinsame Wahrscheinlichkeit für einen ganzen Square zu berechnen. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Square bestehend aus acht 90%-igen Tänzern eine Figurenfolge korrekt tanzt, wird berechnet durch
0.90.90.90.90.90.90.90.9=43%. Diese Formel zur Berechnung einer gemeinsamen Wahrscheinlichkeit aus einzelnen Wahrscheinlichkeiten ist aber nur richtig, wenn die einzelnen Ereignisse unabhängig voneinander sind. Sie ist anwendbar z.B. für acht Tänzer in verschiedenen Squares (möglichst noch in verschiedenen Hallen), aber natürlich nicht für acht Tänzer in ein und demselben Square, in dem die Tänzer ja wohl (hoffentlich) nicht unabhängig voneinander tanzen.
Wie kann man denn nun die Wahrscheinlichkeit für einen ganzen Square aus den Wahrscheinlichkeiten der einzelnen Tänzer berechnen? Gar nicht. Denn hierzu muß man Annahmen treffen über das Abhängigkeitsmuster im Square, das von so vielen Komponenten bestimmt wird (Eigenschaften der Tänzer, Caller, Stimmung im Saal, ...), daß es schwierig ist, hierfür ein sinnvolles (statistisches) Modell zu formulieren. Theoretisch ist dies zwar denkbar, aber wie kompliziert man dieses Modell auch machen würde, es wäre immer nur eine unzureichende Approximation an die Wirklichkeit. Die Abhängigkeiten in einem Square sind so vielfältig und variabel, daß sie sich (wie viele andere Dinge des Lebens auch) nicht mit einfachen Zahlen adäquat quantifizieren lassen. Ich will dies erst gar nicht versuchen.
Diese Abhängigkeiten innerhalb eines Squares werden im Artikel durchaus bedacht, allerdings durch eine (von der Wahrscheinlichkeitsrechnung her gesehen) völlig unsinnige Methode. Auf Seite 60 ff. wird den Tänzern, die andere korrigieren, eine "Wahrscheinlichkeit" von über 100% zugewiesen. Das ist falsch oder hat zumindest nichts mehr mit Wahrscheinlichkeitsrechnung zu tun. Eine Wahrscheinlichkeit liegt immer zwischen 0 und 100% (Grenzen eingeschlossen), ansonsten ist es keine solche. (Für Experten: Das folgt aus den Axiomen von Kolmogorow.) Alle nachfolgenden Berechnungen und Zahlen basieren auf diesem falschen Konzept und sind völlig bedeutungslos.
Ich betone nochmals ausdrücklich, daß sich meine Kritik ausschließlich auf die unsinnigen Wahrscheinlichkeitsberechnungen bezieht und nicht auf die inhaltlichen Aussagen. Mein Tip: Wenn jemand gute inhaltliche Argumente für irgendeinen Standpunkt hat, dann präsentiere man doch einfach diese Argumente. Eine Unterstützung der Argumentation durch Statistik ist häufig gar nicht erforderlich (und langweilt die meisten Leser sowieso). Wenn aber Statistik und Wahrscheinlichkeitsberechnung benutzt werden sollen, dann wende man sich vorher an jemanden, der was davon versteht. Ansonsten läuft man Gefahr, die Aussagekraft guter Argumente durch Verwendung falscher und unsinniger Zahlen abzuschwächen.
Der im März-Bulletin erschienene Artikel "Wie gut ist gut" hat eine Reihe positiver bis begeisterter Reaktionen ausgelöst, so daß wir gern noch einen Artikel in dieser Richtung bringen. Er stammt zwar aus der Clubzeitung eines PLUS-Clubs, gilt aber genauso für Mainstream-Tänzer.
Für die MS-Tänzer haben wir vergleichbare Figurenabläufe in Klammern dazu gesetzt.
Es gehört mehr zum Square Dance als nur die Calls zu kennen. Ja, viele von Euch Frischgraduierten haben noch alle Hände voll zu tun, sich daran zu erinnern, wie einige Calls ausgeführt werden und das ist sicher wichtig. Insbesondere in einem APD/DBD-Club ist es wichtig, die Calls mehr als nur ungefähr zu beherrschen. Weißt Du, daß zu einem SLIDE THRU gehört, daß sich die Boys nach rechts, die Girls nach links drehen, oder drehst Du Dich am Ende nur einfach ein Viertel nach innen? Wenn Dich jemand nach der Definition von SPIN CHAIN THE GEARS (MS: SPIN CHAIN THRU) fragt, kannst Du sie in Worte fassen?
Aber es gibt auch noch andere Gesichtspunkte, die wichtig für erfolgreiches Tanzen sind: Die Art, wie Du Dich im Square bewegst, wie Du mit den anderen Tänzern agierst und ob Du Dir darüber im Klaren bist, was Du tust. Die folgenden Bemerkungen sind über Jahre aus Diskussionen mit Tänzern zusammengestellt worden. Diese Punkte sind für Plus- (und Mainstream-) Tänzer hilfreich, aber absolute Voraussetzung für alle, die weiterführende Programme tanzen wollen.
Tänzer sollten bei jeder sich bietenden Gelegenheit Handkontakt aufnehmen, besonders zwischen den Calls. Handkontakt hilft, die Formation zu bilden, gibt den Tänzern Orientierung und ein Teamgefühl. Er ist unbedingt erforderlich, wenn jemand vor dem Ende einer Figur verkehrt läuft. Wenn Du am Ende eines Calls neben einem anderen Tänzer Deines Squares stehst, nimm seine oder ihre Hand. Das Mißlingen einer solchen Kontaktaufnahme ist normalerweise die Ursache von Orientierungslosigkeit und daher Fehlern. Wenn zum Beispiel nach einem FLIP THE DIAMOND (MS: aus Ocean Waves: HINGE), die neuen Centers keinen Handkontakt aufnehmen, werden sie zumindest verwirrt sein, wenn der nächste Call FAN THE TOP lautet. Gib den anderen Tänzern einen leichten Händedruck, so daß sie spüren, daß Du da bist. Du solltest für ein gewisses Gefüge im Square sorgen, statt einfach nur durchzulaufen. Auf der anderen Hand (wenn da eine ist) ist eine zu feste Handhaltung mindestens so schlecht wie eine zu lose; ein Tänzer, der mit tödlicher Umklammerung festhält, ist nicht in der Lage, wendig auf den nächsten Call zu reagieren und behindert die, die er festhält. Ein Wechsel der Handhaltung als Reaktion auf den laufenden Call kann ebenso hilfreich sein. Stell Dir zum Beispiel vor, Du stehst in "facing lines" und der Caller sagt "Centers...". Wenn Du die Verbindung zwischen Center und anschließendem End löst, noch bevor Du hörst, was die Centers tun sollen, konzentrierst Du Dich auf die vier im Center und wirst nicht in Versuchung kommen, den Call mit den äußeren vier auszuführen.
Bevor Du eine Bewegung beginnst, solltest Du wissen, wo Du hin willst. Du solltest auch wissen, in welche Formation Du hineinkommst und welche Position Du in dieser Formation einnehmen wirst. (Diese Regel ist verwandt mit der generellen Regel unseres Callers: "Wenn Du nicht weißt, wo Du hingehst, dann gehe da nicht hin!")
Bei Calls wie TRADE THE WAVE (MS: All 8 Circulate) solltest Du erst zeigen, wo Du hingehen willst und Blickkontakt mit dem Tänzer aufnehmen, mit dem Du den Platz tauschen wirst. Das hilft nicht nur Dir, den richtigen Platz einzunehmen, es hilft auch in gleicher Weise dem anderen, mit dem Du den Platz tauschst, falls er oder sie sich nicht ganz sicher war, mit wem er/sie zusammenarbeitet. Dasselbe gilt für Calls wie BOYS TRADE (DOWN THE LINE) oder THOSE FACING PASS THRU.
Bei uns wie bei den meisten anderen Clubs neigen die Squares dazu, sich auszudehnen. Das verursacht schlampige Formationen, bewirkt, daß Du mehr Zeit als nötig für den Call brauchst und kann es schwer machen, die Leute zu finden, mit denen Du zusammenarbeitest. Ein Square kann in einem 4x4m Quadrad ohne übermäßige Unbequemlichkeit tanzen. Das ist zwar schwierig anzugewöhnen, zahlt sich aber aus.
Worauf diese ersten vier Punkte im Grunde hinweisen, ist ein "Formations-Bewußtsein". Sei Dir darüber im Klaren, daß es in jeder Formation acht bestimmte Positionen gibt, die Du einnehmen kannst und vier Wände, die Du anschauen kannst. In einer ¼-Tag Formation (das ist die Startposition für ein PING PONG CIRCULATE, aus Static Squares: nach Heads Pass the Ocean) gibt es zum Beispiel eine Wave durch die Mitte und je ein Paar an der Außenseite. Die Paare sollten auf das Zentrum der Wave ausgerichtet stehen und die Hände halten. Wenn Du nicht in der Wave bist und nicht als Paar stehst oder wenn Du in eine Ecke des Raums schaust, dann ist irgend etwas beim letzten Call schiefgelaufen. Wenn die Formation in Waves oder Columns endet, sollten die Tänzer in einer perfekten rechteckigen 2x4-Anordnung stehen, nicht verbogen oder mit Leuten, die außerhalb stehen. Das ist besonders wichtig in einer sogenannten T-Bone-Formation (einige Tänzer schauen zu den 'head walls', die anderen zu den 'side walls'. )
Als Möglichkeit, Dein Tanzen zu verbessern, kannst Du die Fähigkeit trainieren, Deine Formation zu erkennen. Nach jedem Call werde Dir bewußt "Ich bin jetzt Nummer 3 in der Column", "Ich bin das in-facing end einer right-hand wave" oder "Ich bin jetzt das rechtsaußen-Ende in der Line". Das ist insbesondere nützlich, wenn Du Dich in einer 'tidal wave' befindest.
Sich der Formation bewußt zu sein, kann auch helfen, das Square enger zu halten. Die kleinen Anpassungen, um überflüssigen Raum im Square loszuwerden, können schon vorweggenommen werden. Zum Beispiel neigen die meisten Leute dazu, daß aus einer ¼ Tag Formation beim Call EXTEND THE TAG die Tänzer aus der center wave vorwärts zu den Außenpaaren gehen. Wenn Du einmal festgestellt hast, daß das in 'parallel ocean waves' endet, weißt Du auch, daß die ends (das Außenpaar) die gleiche Distanz vorwärts gehen müssen wie die centers.
Das führt uns zu einem weitergehenden Gesichtspunkt des Formations-Bewußtseins, den C-Tänzer die "Square-Atmung" nennen: das Ausdehnen und Zusammenziehen des Squares je nachdem, wieviele Tänzer sich durch die Calls im gleichen Raum bewegen. Ein Ausbleiben dieser 'Atmung' ist der übliche Grund dafür, daß Squares zu groß werden. Zum Beispiel beginnen die Squares bei RELAY THE DUCEY oder SPIN CHAIN THE GEARS (MS: zweimal SPIN THE TOP) aus waves (idealerweise eng beieinander), dehnen sich aber aus, um sich an die 4- oder 6-Personen-Waves anzupassen, die sich temporär rechtwinklig zur ursprünglichen Formation bilden. Am Ende des Calls besteht die Formation wieder aus 'parallel waves', also sollte sich der Square auch wieder zusammenziehen, damit diese waves wieder dicht beisammen stehen. Wenn das nicht geschieht und der nächste Call ist so etwas wie FOLLOW YOUR NEIGHBOR (MS: SCOOT BACK), dann haben die in-facers einen weiten Weg vor sich, bis sie den finden, mit dem sie den cast (MS: Arm Turn) machen.
Wenn der Caller "Heads" oder "Boys" sagt und Du bist einer der angesprochenen Leute, dann hebe Deine Hand. Auf diese Weise werden die, die wissen müssen, mit wem sie zusammenarbeiten, eine bessere Vorstellung davon haben, was sie tun sollen. Bei SPIN CHAIN THE GEARS sollten die Leute, die nach dem 'star turn' als 'very centers' den trade machen müssen, ihre Hände heben, damit sie einander erkennen (ähnlich in MS: Spin Chain Thru). Noch wichtiger ist, daß beim Call SPIN CHAIN & EXCHANGE THE GEARS dieselben Leute die Hände heben, um sicherzustellen, daß der Rest des Squares weiß, wer das 'exchange' anführt.
Square Dance ist kein Individualsport, es ist ein Mannschaftssport. Wenn ein Square als Team agiert, kann es sich im allgemeinen auch bei herausfordernder Choreographie eines Erfolgs erfreuen; wenn es nicht als Team handelt, kann es auch bei eher einfachen Calls zusammenbrechen. Merke: Dies bedeutet nicht, Leute herumzustoßen! Es bedeutet, daß Du selbst zur rechten Zeit am rechten Platz sein sollst, Blickkontakt aufnimmst und Handkontakt hältst. Es bedeutet auch, daß die Leute, die den leichteren Teil des Calls ausführen, auf die achten, die den schwierigeren Teil haben. Zum Beispiel tritt ein üblicher Fehler beim Call SPIN CHAIN THE GEARS (und in einem geringerem Ausmaß auch bei SPIN CHAIN THRU) unmittelbar vor dem letzten 'cast off ¾' auf: die Tänzerin, die ruhig stehen bleiben (der leichtere Teil) und auf das Zusammentreffen mit einem center-Tänzer warten sollte, beginnt loszulaufen. Sie sollte aber nicht nur nicht loslaufen, sondern warten, bis der center-Tänzer erscheint, ihm ihre Hand entgegenstrecken und ihm so klar machen, welcher der drei Tänzer auf dieser Seite des Squares mit ihm den cast machen will.
Einige Leute haben den Hang zu rennen und zu warten. Das vernichtet den Fluß des Tanzes und macht ihn weniger angenehm. Schlimmstenfalls verursacht es Fehler in der zeitlichen Zusammenarbeit (Du bist auf der nächsten Position bevor Dein Mitspieler da ist), wodurch der Square zusammenbricht. Du kannst fast immer in einer weichen fortlaufenden Bewegung tanzen. Der richtige Tanzschritt liegt eher beim Laufen, nicht beim Hüpfen. Geschmeidige fließende Bewegung hilft, den Square zusammenzuhalten. Merke Dir, daß die "Fließrichtung" auch häufig die richtige Richtung zur Ausführung des nächsten Calls ist; schließlich versucht der Caller nicht, Dich gegen diesen "Fluß" laufen zu lassen. Wenn Dir dieser Fluß gewärtig ist oder Du zumindest nicht dagegen arbeitest, solltest Du auch den Call ROLL leichter ausführen können.